Wer darf elektrotechnisch unterweisen, wenn keine Fachkompetenz des Vorgesetzten hierfür vorliegt?

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Wer darf elektrotechnisch unterweisen, wenn keine Fachkompetenz des Vorgesetzten hierfür vorliegt? | 22.09.2017

Für Arbeitgeber besteht gemäß § 12 Abs. 1 ArbSchG die Pflicht, ihre Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit ausreichend und angemessen zu unterweisen.

Art, Umfang und Fristen der Unterweisung sind zwar im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und festzulegen, sowohl die BetrSichV (§ 12 Abs. 1) als auch die DGUV Vorschrift 1 (§ 4 Abs. 1) geben jedoch eine mindestens jährlich wiederkehrende Unterweisungspflicht vor.

Demnach sind Unterweisungen für alle Beschäftigten wiederholt und mindestens einmal jährlich durchzuführen; je nach Thema und Ziel ist zudem eine entsprechende nachweisbare Mindestqualifikation des/der Unterweisenden verbindlich festgelegt.

So muss z. B. die Unterweisung einer elektrotechnisch unterwiesenen Person durch eine Elektrofachkraft erfolgen. Für die Unterweisung in Arbeiten unter Spannung ist es zusätzlich erforderlich, dass die beauftragte Elektrofachkraft über Spezialkenntnisse und entsprechende Erfahrung verfügt.

Ist keine Mindestqualifikation verbindlich festgeschrieben, so darf der Arbeitgeber gem. § 7 ArbSchG einzelne Aufgaben und Pflichten (darunter auch die Durchführung der Unterweisung) an andere Personen übertragen, muss jedoch dabei je nach Art der zu übertragenden Tätigkeit berücksichtigen, ob der/die jeweilige Beschäftigte auch dazu befähigt ist.

Letzteres impliziert die Notwendigkeit einer vorhandenen Fachkompetenz.

Elektrofachkräfte oder verantwortliche Elektrofachkräfte können in der Praxis fachliche Unterweisungen (z. B. von elektrotechnisch unterwiesenen Personen und Elektrofachkräften für festgelegte Tätigkeiten) durchführen.

Die fachliche Unterweisung der reinen Elektrofachkräfte und verantwortlichen Elektrofachkräfte erweist sich wiederum dann als problematisch, wenn ihre Vorgesetzten nur fachfremde disziplinarische Vorgesetzte ohne Fachkompetenz sind.

Aus § 7 ArbSchG lässt sich ableiten, dass für die Durchführung der elektrotechnischen Unterweisung mindestens eine Fachkraft mit entsprechender Berufsausbildung und Erfahrung notwendig ist.

In Fällen, in denen keine Fachkompetenz des Vorgesetzten hierfür vorliegt, sollte daher die Hilfe von externen Fachkräften und/oder sollten entsprechende Schulungsmaßnahmen in Anspruch genommen werden.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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