Elektrische Betriebsmittel

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Elektrische Betriebsmittel: Wer darf prüfen? | 27.09.2019

Die Pflicht zur Prüfung elektrischer Betriebsmittel betrifft alle Unternehmen. Doch wer darf elektrische Betriebsmittel in Unternehmen prüfen? Sowohl die Betriebssicherheitsverordnung als auch die DGUV-Vorschrift 3 bzw. 4 enthalten Vorgaben bezüglich der Qualifikation der mit den Prüfungen zu beauftragenden Personen.

Beauftragung gem. Betriebssicherheitsverordnung

Gemäß § 3 Abs. 6 Betriebssicherheitsverordnung ist es Aufgabe des Arbeitgebers, die notwendigen Voraussetzungen für diejenigen Personen zu ermitteln und festzulegen, welche mit der Prüfung oder Erprobung von Arbeitsmitteln beauftragt werden sollen.

Befähigte Personen gem. TRBS 1203

In Abschnitt 3.3 der Technischen Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 ist beschrieben, dass Prüfungen zum Schutz durch elektrische Gefährdungen durch befähigte Personen durchzuführen sind, die

  • über eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung bzw. ein abgeschlossenes Studium der Elektrotechnik oder eine für die vorgesehene Prüfaufgabe ausreichende elektrotechnische Qualifikation,
  • über eine für die vorgesehene Prüfaufgabe ausreichende Berufserfahrung sowie
  • über eine zeitnahe berufliche Tätigkeit

verfügen.

(Anmerkung: Die Berufserfahrung kann gegebenenfalls bereits durch die elektrotechnische Berufsausbildung abgedeckt sein. Für die "zeitnahe berufliche Tätigkeit" sind neben der Prüfpraxis auch insbesondere durch die Teilnahme an Schulungen oder Erfahrungsaustausch erworbene aktuelle Kenntnisse der Elektrotechnik erforderlich)

Das beschriebene Qualifikationsprofil deckt sich in Bezug auf die Prüftätigkeit mit den an eine "Elektrofachkraft" nach der DGUV-Vorschrift 3 bzw. 4 gestellten Anforderungen.

Elektrofachkräfte gem. DGUV-Vorschrift 3 und 4

Prüfungen nach den DGUV-Vorschrift 3 bzw. 4 können durch Elektrofachkräfte oder im eingeschränkten Maße auch durch elektrotechnisch unterwiesene Personen durchgeführt werden.

Als Elektrofachkraft im Sinne der DGUV Vorschrift 3 bzw. gilt gem. § 2 Abs. 3, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen die ihm übertragenen Aufgaben beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Im Regelfall wird die fachliche Qualifikation durch einen erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung, z. B. als Elektroingenieur, Elektrotechniker, Elektromeister, Elektrogeselle nachgewiesen. Sie kann aber auch durch eine mehrjährige Tätigkeit mit Ausbildung in Theorie und Praxis nach Überprüfung durch eine Elektrofachkraft nachgewiesen werden. Dieser Nachweis muss dokumentiert werden.

Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten

Sollen Mitarbeiter, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, für festgelegte Tätigkeiten bei der Inbetriebnahme und Instandhaltung von elektrischen Betriebsmitteln eingesetzt werden, können sie durch eine entsprechende Ausbildung eine Qualifikation als „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“ erreichen.

Gemäß der Durchführungsanweisung zu § 2 Abs. 3 der DGUV Vorschrift 3 bzw. 4 sind festgelegte Tätigkeiten gleichartige, sich wiederholende Arbeiten an Betriebsmitteln, die vom Unternehmer in einer Arbeitsanweisung beschrieben wurden. In eigener Fachverantwortung dürfen dann nur solche festgelegten Tätigkeiten von diesen Personen ausgeführt werden, für die die Ausbildung nachgewiesen ist.

In der Durchführungsanweisung zu § 2 Abs. 3 ist dazu erläutert, dass die praktische Ausbildung an den infrage kommenden Betriebsmitteln durchgeführt werden muss. Sie muss die Fertigkeiten vermitteln, mit denen die in der theoretischen Ausbildung erworbenen Kenntnisse für die festgelegten Tätigkeiten sicher angewendet werden können. Die Ausbildungsdauer muss ausreichend bemessen sein. Je nach Umfang der festgelegten Tätigkeiten kann eine Ausbildung über mehrere Monate erforderlich sein.

Pflicht des Unternehmers

In jedem Fall hat der Unternehmer im Rahmen seiner Führungsverantwortung zu prüfen, ob die in der vorstehend genannten Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten für die festgelegten Tätigkeiten ausreichend sind.

 

Quelle: kab | FORUM VERLAG Herkert GmbH

 

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