Biologische Laboratorien einrichten – was gilt es grundsätzlich zu bedenken

© jolopes  - fotolia.com

Biologische Laboratorien einrichten – was gilt es grundsätzlich zu bedenken | 16.03.2016

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 4 BiostoffV sind, in Verbindung mit der TRBA 100, folgende Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien bei der Planung zu berücksichtigen:

Laboratorien der Schutzstufe 1 müssen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Oberflächen (Arbeitsflächen und Fußböden) müssen leicht zu reinigen sowie dicht und beständig gegen die verwendeten Stoffe und Reinigungsmittel sein.
  • Im Schutzstufenbereich müssen Laborkittel oder andere Schutzkleidung getragen werden. Benutzte Laborkittel sind getrennt von Straßenkleidung aufzubewahren.
  • Abhängig von der Labornutzung sollen die Türen in Fluchtrichtung aufschlagen und aus Gründen des Personenschutzes mit einem Sichtfenster ausgestattet sein.
  • Ein Waschbecken mit Handwaschmittel- und Einmalhandtuchspender soll im Arbeitsbereich vorhanden sein.

(§ 8 Abs. 5 BioStoffV i. V. m. Nr. 5.2 der TRBA 100 - Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe 100)

 

Laboratorien der Schutzstufe 2 müssen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Oberflächen müssen leicht zu reinigen und beständig gegenüber den eingesetzten
  • Desinfektionsmitteln sein. Ein fugenloser Wand-Boden-Anschluss ist vorzusehen.
  • Getragene Schutzkleidung ist getrennt von der Straßenkleidung aufzubewahren.
  • Labortüren müssen nach außen aufschlagen und aus Gründen des Personenschutzes mit einem Sichtfenster ausgestattet sein.
  • Für die Desinfektion und Reinigung der Hände müssen ein Waschbecken, vorzugsweise ein separates Handwaschbecken, mit Desinfektionsmittel-, Handwaschmittel- und Einmalhand-tuchspender vorhanden sein.
  • Wasserarmaturen und Desinfektionsmittelspender sind vorrangig handbedienungslos einzurichten. Die Installationen sind leicht zugänglich und vorzugsweise in der Nähe der Labortür anzubringen.
  • Einrichtungen zum Spülen der Augen müssen vorhanden sein.
  • Ein ausreichend dimensionierter und für die Anforderungen der Inaktivierung geeigneter Autoklav soll im selben Gebäude vorhanden sein. ? Kontaminierte Prozessabluft darf nicht unbehandelt in den Arbeitsbereich abgegeben wer-den. Sie muss durch geeignete Verfahren wie Filtrierung oder thermische Nachbehandlung dekontaminiert werden.

(§ 8 Abs. 5 BioStoffV i. V. m. Nr. 5.3 der TRBA 100 -Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe 100 „Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien“)

Bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3(**), die der Schutzstufe 3 zuzuordnen sind (gezielte Tätigkeiten und ggf. nicht gezielte Tätigkeiten je nach Ergebnis der Ge-fährdungsbeurteilung), sind die weitergehenden Maßnahmen der Ziffer 5.4.1 der TRBA 100 „Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien“ zusätzlich zu den Maßnahmen der Schutzstufe 2 einzuhalten. Diese sind vor Aufnahme der Tätigkeiten umzusetzen.

Die erstmalige Aufnahme dieser Tätigkeiten muss spätestens 30 Tage vor Beginn beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt angezeigt werden (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 3 BioStoffV).

(§ 8 Abs. 5 BioStoffV i. V. m. Nr. 5.4.1 der TRBA 100 -Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe 100 „Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien“)

Darüber hinaus sind u. a. folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Für die Räume, in denen Tätigkeiten mit bzw. unter Einsatz von UV-Licht (UV-Tisch, UV-Werkbänke) durchgeführt werden, sind die auftretenden Expositionen durch künstliche optische Strahlung am Arbeitsplatz zu ermitteln und zu bewerten. Entsprechend des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung sind Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik festzulegen und um-zusetzen.
    (§ 5 ArbSchG i. V. m. § 3 Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung - OstrV -)
  • Die Zu- und Abluftöffnungen der Lüftungstechnik, die Installation von Abzügen und der geplante Aufstellungsort von Mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken müssen so abgestimmt sein, dass die Sicherheitsfunktionen der mikrobiologischen Sicherheitswerkbänke nicht beeinträchtigt werden können.
    Ordnungsgemäße Montage und sichere Funktion der Sicherheitswerkbänke sind vor Inbetriebnahme von einer hierzu befähigten Person zu prüfen. (§ 10 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV)
  • Der Luftwechsel von 25 m3/h pro m2 Nutzfläche in Laboratorien kann reduziert werden, wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass diese Maßnahme für die vorgesehenen Tätigkeiten dauerhaft ausreichend und wirksam ist.
    (§ 7 (2) GefStoffV i. V. m. Nr. 6.2.5 TRGS 526 – Technische Regel für Gefahrstoffe 526 "Laboratorien")
  • Lichtdurchlässige Wände im Bereich der Arbeitsplätze und Verkehrswege müssen aus bruchsicherem Werkstoff bestehen oder durch Geländer oder andere entsprechende Abschrankungen abgeschirmt sein. (Ziff. 1.5 Abs.3 Anhang zur ArbStättV)
  • Die Installation einer Körpernotdusche ist im Falle größerer Mengen an Gefahrstoffen (z. B. Lösungsmitteln) vorzunehmen.

Als Empfehlung sollten sie mindestens einmal pro Woche - den Zustand der Flucht- und Rettungswege kontrollieren und vorhandene Brandlasten zu entfernen.

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

Produktempfehlung

Abb_1183Die neuen Laborrichtlinien

Laborleiter sind mit den digitalen Praxisleitfäden sowie praxisbewährten Checklisten und Arbeitshilfen auf dem Portal bestens gerüstet, die gesetzlichen Anforderungen an den sicheren Betrieb einfach zu erfüllen und dies lückenlos zu dokumentieren
>> mehr Informationen

Mehr zum Thema

Biomonitoring – Gefahrstoffe lassen sich nachweisen

Strahlung: Schutz vor schädlichen Wirkungen radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlen

Mit Bakterien, Viren und Co. bei der Arbeit sicher umgehen