Sicherheitsdatenblätter weisen häufig Mängel auf – Qualitätsmerkmale sind zu prüfen

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Sicherheitsdatenblätter weisen häufig Mängel auf – Qualitätsmerkmale sind zu prüfen | 18.10.2017

Unabhängig ob Einzelhandel, Großhandel, Hersteller, Importeure, Alleinvertreter, Beschäftigte; alle gehen mehr oder weniger mit Sicherheitsdatenblättern um. Gewerbliche Anwender, entsprechend REACH als "nachgeschaltete Anwender" bezeichnet, müssen Sicherheitsdatenblätter und sonstige Informationen zur Gefährdungsbeurteilung vom Lieferanten beschaffen (§ 6 Abs. 2 GefStoffV).

Sicherheitsdatenblätter nehmen eine Schlüsselrolle ein, um im Betrieb die Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung (§ 6 GefStoffV) zu erstellen, um daraus Schutzmaßnahmen nach dem S-T-O-P-Prinzip, verständliche Betriebsanweisungen und Unterweisungsinhalte und zu generieren.

Wird ein Sicherheitsdatenblatt neu erstellt oder geändert, muss dies seit 01.06.2007 nach den Vorgaben der REACH-Verordnung erfolgen. Inhalt und Struktur legt Art. 31 i. V. m. Anhang II 1907/2006/EG fest. Nationale Besonderheiten sind zu berücksichtigen (TRGS 220). Andernfalls resultieren Verfahrensfehler und erhöhte Gefährdungen aus Fehlinformationen.

Lieferant kann nach REACH-Verordnung der Hersteller, Inverkehrbringer (Händler) oder Importeur von Stoffen und Gemischen sein. Dieser muss Sicherheitsdatenblätter kostenlos zur Verfügung stellen (Art. 31 Abs. 8 1907/2006/EG) bzw. übermitteln und zwar „spätestens bei der ersten Lieferung" oder „nach jeder Überarbeitung" (TRGS 220 "nationale Aspekte Sicherheitsdatenblatt"). Dies kann in Papierform oder elektronisch erfolgen. Das bloße Bereitstellen im Internet genügt nicht.

Nachgeschaltete Anwender müssen die Sicherheitsdatenblätter auf Fehler, Mängel oder fehlende Angaben (z. B. Angaben zur Verwendung) hin überprüfen und ggf. ein neues, fehlerfreies und vollständiges Exemplar anfordern. Für die Plausibilitätsprüfung können Gefahrstoffportale und -datenbanken genutzt werden (u.a. WINGIS, GisChem, GESTIS). Da dies nur fachkundige Personen leisten können, ist hier eine enge Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen in Arbeitsschutz und Beschaffung erforderlich.

Dies ist vor dem Hintergrund, dass Sicherheitsdatenblätter häufig Mängel aufweisen, besonders wichtig für eine zuverlässige Beurteilung möglicher Gefährdungen.

Um sicherzustellen, dass die Angaben im Sicherheitsdatenblatt auch fachlich richtig und vollständig sind, sind sie von einer fachkundigen Person (GefStoffV) zu erstellen, regelmäßig zu aktualisieren und jede Version 10 Jahre aufzuheben.

Für die Korrektheit des Sicherheitsdatenblattes sind anwenderseitig folgende Punkte zu prüfen:

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Formale Fragen
Ist das SDB vollständig in deutscher Sprache verfasst?    
Wurde ein Erstellungs-/ Überarbeitungsdatum sowie Versionsnummer auf der ersten Seite angegeben?    
Ist der Inhalt des SDB noch aktuell oder hat es bei relevanten gesetzlichen Pflichten Änderungen gegeben?    
Wurden Legaleinstufungen aller Anpassungsrichtlinien entsprechend dem Überarbeitungsdatum aktualisiert?    
Wurde auf jeder Seite die Seitenzahl und die Gesamtzahl sowie der Produktname und der Herstellername angegeben?    
Sind Angaben zu allen 16 Kapiteln aufgeführt?    
Sind die Angaben kurz und klar abgefasst?    
Ermöglichen die Angaben im SDB eine Bewertung aller Risiken für Sicherheit und Gesundheit und Gesundheit, die sich aus der Verwendung ergeben?    
Sind Änderungen, die bei der Überarbeitung vorgenommen wurden, kenntlich gemacht?    
Wurde darauf geachtet, dass bei Querverweisen (s. Kapitel 8 u.a.) an den angegebenen Zielorten sinnvolle Aussagen stehen?    
Wurde darauf geachtet, ob die in den einzelnen Abschnitten getroffenen Aussagen richtig positioniert sind?    
Ist die E-Mail Adresse der fachkundigen Person, die für das SDB zuständig ist, angegeben?    
Wurden erforderlichenfalls Expositionsszenarien (ES) beigefügt?    
Stimmen die Angaben im SDB mit den Angaben auf dem Kennzeichnungsetikett überein?    
Sind keine zusätzlichen / weiteren Informationen erforderlich?    
Fragen für den Umgang im Betrieb
Ist das SDB (oder Informationen aus dem SDB) für die Beschäftigten zugänglich?    
Sind vorhandene bzw. umzusetzende Expositionsszenarien verständlich für die Beschäftigten aufbereitet?    
Werden vor Ort die geeigneten Risikomanagementmaßnahmen (RMM) im Einklang mit den im SDB empfohlenen Risikomanagementmaßnahmen angewandt?    

 

Wichtiger Hinweis:
Ordnungswidrig nach Artikel 31-37 sowie 65 der REACH Verordnung handelt, wer u.a.

  • ein Sicherheitsdatenblatt nicht, nicht richtig, nicht vollständig, nicht in vorgeschriebener Wese oder rechtzeitig zur Verfügung stellt,
  • nicht dafür sorgt, dass die Informationen im Sicherheitsdatenblatt mit den Angaben in der Stoffsicherheitsbeurteilung übereinstimmen,
  • ein Expositionsszenario zu einer identifizierten Verwendung nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig einbezieht oder weitergibt,
  • das Sicherheitsdatenblatt nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig aktualisiert oder den früheren Abnehmern nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stellt,
  • eine dort genannte Information nicht oder nicht mindestens 10 Jahre zur Verfügung hält,
  • einen Stoffsicherheitsbericht nicht, nicht richtig oder nicht vollständig zur Verfügung hält oder auf dem neuesten Stand hält
  • eine Zulassungsnummer nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig in das Etikett aufnimmt

Derartige Verstöße können Bußgelder von mehreren Tausend Euro zur Folge haben.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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