Chemikalienschutzhandschuhe – Normenänderung bei Auswahl, Unterweisung und Betriebsanweisung berücksichtigen

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Chemikalienschutzhandschuhe – Normenänderung bei Auswahl, Unterweisung und Betriebsanweisung berücksichtigen | 18.04.2018

Nach wie vor sind in der fachkundig zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung nach §6 Gefahrstoffverordnung sämtliche tätigkeitsbezogenen Gefahrstoffe zu ermitteln. Grundsätzlich sollte ein jeweils in Frage kommender Chemikalienschutzhandschuh grundsätzlich über folgende Eigenschaften verfügen:

  • Beständigkeit
  • Hautverträglichkeit
  • Griffsicherheit
  • Fingerfertigkeit

Bei der Auswahl von Chemikalienschutzhandschuhen sind darüber hinaus die kürzlich geänderten Kennzeichnungs- und Testanforderungen der DIN EN ISO 374 zu berücksichtigen. Die Norm umfasst nun auch eine Anmerkung zum Mikroorganismen-Piktogramm für Handschuhe, die auch den neuen Virenpenetrationstest bestanden haben. Der Schutz vor Chemikalien und Mikroorganismen wird nun in den folgenden beiden Teilen der Norm beschrieben: EN ISO 374-1 und EN ISO 374-5.

Die Angaben zur Chemikalienbeständigkeit eines Handschuhs befinden sich in Form der Kennzeichnung an der Handschuhstulpe und bei Einmalhandschuhe auf der Unterseite von Handschuhspendern. Daneben enthalten auch die Verpackung und die Benutzeranleitung wichtige Hinweise zu den Schutzeigenschaften.

Chemikalienpiktogramme

Bei der neuen Kennzeichnung der Chemikalienbeständigkeit gibt es jetzt nur noch das Erlenmeyerkolben-Piktogramm, das durch die Handschuh-Typisierung (Kategorien) über dem Erlenmeyerkolben-Piktogramm (Permeations- oder Durchdringungszeit von Chemikalien) A, B oder C ergänzt wird.

Chemikalienschutzhandschuhe

 

Über dem Erlenmeyer-Piktogramm gibt ein Kennbuchstabe an, gegen welche Chemikalien der Handschuh geprüft ist. Der Umfang der Prüfchemikalien wurde von vorher 12 Chemikalien (A–L) auf nun 18 Chemikalien (zusätzlich M–T) erweitert.

Kennbuchstabe / Prüfchemikalie

Chemikalienschutzhandschuhe

 

Hersteller müssen durch die Normänderung Degradationstests durchführen. Diese neu eingeführte Testart soll Aussagen treffen, inwieweit sich das Handschuhmaterial und damit seine Barrierefunktion unter der Einwirkung von Chemikalien verändern. Ursache für diese Veränderungen können

  • Versprödung,
  • Quellung oder
  • Schrumpfung

des Materials sein. Das Ergebnis des Degradationstests muss in der Benutzeranleitung angegeben werden.

 

Mikroorganismen-Piktogramme

Das linke Piktogramm bezog sich bisher auf Bakterien und Pilze. Die neue Norm fordert einen neuen Virenpenetrationstest. Besteht ein Handschuh diesen zusätzlichen Test, wird unter das Mikroorganismen- Piktogramm das Wort „Virus“ hinzugefügt.

Chemikalienschutzhandschuhe

Da es sich bei der Auswahl dieser speziellen Handschuhe um eine sehr anspruchsvolle Aufgabe handelt, sollten Sie im Zweifel eine gemeinsame Entscheidung mit allen Arbeitsschutzakteuren, den Beschäftigten und Herstellern gemeinsam treffen und die Handschuhe zunächst einmal testen.

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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