Substitutionspflicht für Unternehmer

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Gefahrstoffe: Substitutionspflicht für Unternehmer | 31.07.2020

Für Unternehmer besteht nach der Gefahrstoffverordnung die sog. Substitutionspflicht. Das heißt, sie müssen Gefahrstoffe, mit denen die Mitarbeiter in Kontakt kommen, möglichst durch ungefährlichere Stoffe ersetzen. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) bietet dazu eine Hilfestellung zur Substitutionsprüfung nach GefStoffV. Wir stellen Ihnen die wesentlichen Inhalte vor.

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz und DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ sind Unternehmer verpflichtet, in ihrem Betrieb eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Sinn und Zweck der Übung ist es, die arbeitsplatzbedingten Gefahren zu erkennen und daraufhin durch entsprechende Maßnahmen zu verhindern bzw. zu minimieren.

Die Substitution von Gefahrstoffen
Gefährdungen durch Gefahrstoffe nehmen dabei eine Sonderrolle ein. Denn Gefahren lassen sich in diesem Bereich oftmals nicht vermeiden. Daher müssen Arbeitgeber überprüfen, ob die verwendeten Stoffe möglicherweise durch ungefährlichere ersetzt werden können. Dies wird als Substitution bezeichnet. Dabei gelten bei Gefahrstoffen auch gesetzlich erweiterte Regeln. So sind Sie als Unternehmer gemäß § 6 Gefahrstoffverordnung verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Die Pflicht zur Substitution von Gefahrstoffen ist zudem in § 7 GefStoffV festgeschrieben.

Bei einer Substitutionsproblematik hilft das GHS-Spaltenmodell
Das GHS-Spaltenmodell unterstützt Unternehmer bei der Suche nach Ersatzstoffen. Hilfreich ist dies vor allem, wenn es für die betriebliche Substitutionsproblematik bisher keine Empfehlungen, z. B. in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe, LASI-Empfehlungen etc. gibt. Im Spaltenmodell können Stoffe und Gemische schnell und mit nur wenigen Informationen, z. B. dem Sicherheitsdatenblatt oder dem Kennzeichnungsschild auf der Verpackung, verglichen werden.

Gefahr durch Stoffe mit unbekannten Auswirkungen
Oft ist es für Unternehmen verlockend, gefährliche Stoffe durch scheinbar ungefährlichere zu ersetzen, zumal dann, wenn diese auch noch kostengünstiger sind. Ein Problem dabei ist jedoch, dass dabei oft Stoffe eingesetzt werden, deren Gefährdungspotenzial nicht durch eine entsprechende Prüfung bestimmt wurde. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu einer Substitution mit Stoffen, die sogar gefährlicher sind als der ursprüngliche Gefahrstoff. Es gilt also Vorsicht: Gemäß TRGS 600 müssen Stoffe oder Zubereitungen, über die keine Prüfdaten oder Informationen etwa zur Toxizität oder zur reizenden Wirkung. vorliegen, von den Unternehmern so behandelt werden, als ob jegliche Gefährdungen für diese Stoffe zuträfen. Auf diese Weise versucht der Gesetzgeber dem Anreiz entgegenzuwirken, Stoffe mit unbekannten Auswirkungen zur Substitution zu verwenden. Daher ist auch das GHS-Spaltenmodell in diesen Fällen nicht anwendbar.

Allgemein besteht die Möglichkeit, dass die ungefährlicheren Stoffe wesentlich teurer in der Anschaffung sind als der herkömmliche Gefahrstoff. In diesem Fall hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, auf Unverhältnismäßigkeit zu plädieren. Eine Prüfung auf den Inhalt der Gefahrstoffe muss allerdings in jedem Fall vorgenommen und dokumentiert werden.

Weitere Hinweise erhalten Sie im Informationsblatt „Das GHS-Spaltenmodell“ der IFA.

 

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