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TRGS 527 Nanomaterialien Fassung Februar 2020 | 09.03.2020

Im Gemeinsamen Ministerialblatt Nr. 6 vom 19.02.2020 wurde die angepasste TRGS 527 „Tätigkeiten mit Nanomaterialien” veröffentlicht. Die TRGS 527 enthält Regelungen zum Schutz der Beschäftigten am Arbeitsplatz bei Tätigkeiten mit Stoffen, Gemischen und Erzeugnissen, die aus Nanomaterialien bestehen oderenthalten. Nanomaterialien i. S. d. TRGS 527 umfassen sowohl unter REACH registrierte als auch nicht registrierte Nanoformen von Stoffen entsprechend Anhang VI der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, geändert durch (EU) 2018/1881 [1].

 

Wo kommen Nanomaterialien vor?

Im Vergleich zu Materialien mit größeren Ausmaßen haben Nanomaterialien andere Eigenschaften. Daraus können sich neue und interessante Möglichkeiten im Ingenieurwesen, in der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie im medizinischen und pharmazeutischen Bereich ergeben. Doch Nanomaterialien können auch Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen haben. Arbeitnehmer können damit in Kontakt kommen, z. B. wenn sie in die Luft gelangen und eingeatmet werden oder in Kontakt mit der Haut kommen. Insbesondere Arbeiten in der Gesundheitspflege oder in Laboren sowie auf Baustellenkommt dies vor.

Begriff Nanomaterialien (vgl. TRGS 527, Abschnitt 2 Begriffsbestimmungen)

Die Nanoform eines Stoffs ist definiert als

  • Form eines natürlichen oder hergestellten Stoffes, der Partikel in ungebundenem Zustand, als Aggregat oder Agglomerat enthält und bei dem mindestens 50 % der Partikel in der Anzahlgrößenverteilung ein oder mehrere Außenmaße im Bereich von 1 nm bis 100 nm haben,
  • sowie abweichend auch Fullerene, Graphenflocken und einwandige Kohlenstoff-Nanoröhren mit einem oder mehreren Ausmaßen unter 1 nm [2]. Ein Stoff kann eine oder mehrere verschiedene Nanoformen haben. Unter „Partikel“ wird dabei ein winziges Materialteilchen mit definierten physischen Grenzen verstanden [1] .

Änderungen in der TRGS 527

Der Anwendungsbereich wurde an die Verordnung (EU) Nr. 2018/1881 angepasst, somit gilt die TRGS 527 nicht für natürliche Nanomaterialien, insofern keine Tätigkeiten mit ihnen ausgeführt werden, und nicht für prozessbedingt entstehende Nanomaterialien.

  • Hinweise zur Identifizierung von Nanomaterialien sind in die Abschnitte 3.2 und 3.4 überführt und aktualisiert worden. Sie werden durch den neuen Anhang 1 zu Nanomaterialien in Produktunterlagen ergänzt.
  • Hilfestellungen zur Gruppeneinteilung von Nanomaterialien wurden in Abschnitt 3.3 zusammengeführt.
  • In Abschnitt 3.3.4 wurde der Beurteilungsmaßstab für GBS-Nanomaterialien eingeführt.
  • Hilfestellungen zur spezifischen Durchführung der Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien wurden in Abschnitt 4.2 und 4.3 zusammengeführt und ergänzt.
  • Die Hinweise zu Schutzmaßnahmen sind in Abschnitt 5 überführt und aktualisiert worden.
  • Die Hilfestellungen zur Wirksamkeitsprüfung der Schutzmaßnahmen wurden in Abschnitt 6 zusammengefasst und aktualisiert. Sie werden durch Anhang 4 zum Benchmark-Level-Konzept des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV und durch Anhang 5 zur Ermittlung der Anzahlkonzentration faserförmiger Nanomaterialien ergänzt.

[1] VERORDNUNG (EU) 2018/1881 DER KOMMISSION vom 3. Dezember 2018 zur Änderung der Anhänge I, III, VI, VII, VIII, IX, X, XI und XII der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) zwecks Berücksichtigung der Nanoformen von Stoffen

[2] Empfehlung der Kommission vom 18. Oktober 2011 zur Definition von Nanomaterialien (2011/696/EU), Amtsblatt der Europäischen Union L 275/38 vom 20.10.2011

Quelle: www.baua.de; https://osha.europa.eu/de/themes/nanomaterials

 

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