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Überarbeitete TRGS 600

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Überarbeitete TRGS 600 Substitution veröffentlicht | 31.07.2020

Im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) Ausgabe Nr. 21 vom 24.07.2020 wurde mit Bekanntmachung vom 24.06.2020 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) die überarbeitete TRGS 600 „Substitution” veröffentlicht.

Die TRGS 600 wurde vollständig überarbeitet, u. a.

Funktion der TRGS 600 Substitution

Die TRGS 600 soll den Arbeitgeber darin unterstützen, Tätigkeiten mit Gefahrstoffen zu vermeiden, Gefahrstoffe durch Stoffe, Gemische oder Verfahren zu ersetzen, die unter den jeweiligen Verwendungsbedingungen für die Beschäftigten keine oder eine geringere Gefährdung darstellen oder Gefährliche Verfahren durch weniger gefährliche Verfahren zu ersetzen.

Ist eine Substitution möglich?

Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung werden nach § 6 Absatz 1 GefStoffV die Möglichkeiten der Substitution ermittelt. Dazu gibt es verschiedene Informationsquellen wie u. a.

Das hat sich zur Vorgängerversion geändert:

Hier ein Auszug der Änderungen gegenüber der alten TRGS 600 mit Stand August 2008. Die Änderungen sind kursiv gekennzeichnet:

Bezug zur REACH-Verordnung

1 Anwendungsbereich
(6) Diese TRGS beschreibt nicht die Anforderungen, die nach der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-VO) an die Bewertung von Substitutionslösungen im Rahmen der Zulassung und von Beschränkungsverfahren gestellt werden. Wurde nach REACH-VO eine betriebs- und verfahrensbezogene Zulassung für die Verwendung eines Stoffes erteilt, kann bei der Prüfung der Möglichkeiten der Substitution auf die REACH-Dokumentation verwiesen werden.

 

Präzisierung von Fundstellen

3 Ermittlung von Möglichkeiten der Substitution
(1) Die Ermittlung von Möglichkeiten einer Substitution ist Teil der Gefährdungsbeurteilung nach § 6 Absatz 1 GefStoffV. Der Arbeitgeber hat bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, bei denen es zu einer Gefährdung kommen kann, immer zu prüfen, ob es Möglichkeiten der Substitution gibt.
(2) Informationsquellen für die Ermittlung von Möglichkeiten einer Substitution sind im Folgenden aufgelistet (genauere Angaben und Fundstellen siehe Literaturhinweise):

  1. TRGS zu Ersatzstoffen (TRGS 500 ff. und TRGS 600 ff.),
  2. branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen, die Aussagen zur Substitution enthalten z. B.
    1. DGUV-Informationen mit Aussagen zur Substitution,
    2. Informationssysteme, z. B. WINGIS (s. dort Produkt-Codes) und Veröffentlichungen der Unfallversicherungsträger und der Länder,
    3. weitere Branchenregelungen von Verbänden und Unfallversicherungsträgern (UVT) z. B. Datenbank für zulässige Wasch- und Reinigungsmittel im Offsetdruck

 

Änderung von Begriffen

4 Vorauswahl aussichtsreicher Möglichkeiten einer Substitution: Leitkriterien
[…]
(2) Als Kriterien für eine Vorauswahl von Möglichkeiten einer Substitution sind sowohl die Gesundheitsgefahren als auch die physikalisch-chemischen Gefährdungen sowie auch das Freisetzungspotenzial auf Grundlage der physikalisch-chemischen Eigenschaften und der Verfahrens- und Verwendungsbedingungen zu berücksichtigen (Absätze 3 bis 7). Bei der Entscheidung, welche Möglichkeiten weiter untersucht werden sollen, sind alle Kriterien in ihrer Gesamtheit zu betrachten und auch Überlegungen zur Gefährdung der Haut (Absatz 7) einzubeziehen. Da die Kriterien der Vorauswahl Seite 406 GMBl 2020 Nr. 21 für Fälle gedacht sind, in denen viele Möglichkeiten gesichtet werden müssen, sind die Kriterien nicht fein differenziert. Es ist durchaus denkbar, dass Möglichkeiten, die in der Vorauswahl zunächst nicht als aussichtsreich erschienen, im späteren Verlauf der Ersatzstoffprüfung wieder aufgegriffen werden.

Bemerkung: In der alten TRGS 600 hieß es hier: Gefährlichkeitsmerkmale und physikalisch-chemische Eigenschaften

[…]
(5) Das Freisetzungspotenzial eines Gefahrstoffs in die Luft am Arbeitsplatz kann im Allgemeinen durch Substitution entlang der aufgeführten Reihenfolge in der jeweiligen Zeile reduziert werden:

  1. hohe Konzentration/große Mengen > niedrige Konzentration/kleine Mengen,
  2. Verfahren mit Benetzung großer Flächen > Verfahren mit Benetzung kleiner Flächen,
  3. Gas > Flüssigkeit > Paste,
  4. staubender Feststoff > nicht staubender Feststoff,
  5. sublimierender Feststoff > nicht sublimierender Feststoff,
  6. niedriger Siedepunkt (hoher Dampfdruck) > hoher Siedepunkt (niedriger Dampfdruck),
  7. offenes Verfahren > Verfahren mit integrierter Absaugung > geschlossenes Verfahren > gekammerte Anlage (Geschlossenes Verfahren in eigenem abgeschlossenem Raum),
  8. Verfahren bei hohen Temperaturen > Verfahren bei Raumtemperatur,
  9. Verfahren unter Druck > drucklose Verfahren,
  10. Verfahren unter Erzeugung von Aerosolen > aerosolfreie Verfahren,
  11. lösemittelhaltige Systeme > wässrige Systeme etc.

[…]

(7) Hinsichtlich der Hautbelastung können die Kriterien zur Vorauswahl von Stoffen, Gemischen, Erzeugnissen oder Arbeitsverfahren im Einzelfall von den vorher genannten Kriterien abweichen und müssen dementsprechend individuell überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dies betrifft insbesondere die Kriterien für das Freisetzungspotenzial. Hier können Eigenschaften, die zu einer erhöhten Freisetzung in die Luft führen, für die dermale Belastung durchaus den gegenteiligen Effekt haben. So verbleiben beispielsweise Pasten länger auf der Haut als Flüssigkeiten oder Gase, verringern aber die inhalative Exposition. Für einen Vergleich der Gefährdungen durch Hautkontakt ist die TRGS 401“Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“ heranzuziehen.

Bemerkung: In der alten TRGS 600 hieß es hier:

(6) Hinsichtlich der Hautbelastung können die Kriterien zur Vorauswahl von Stoffen, Zubereitungen oder Arbeitsverfahren im Einzelfall von den vorher genannten Kriterien abweichen und müssen dementsprechend individuell überprüft und ggf. angepasst werden. Dies betrifft insbesondere die Kriterien für das Freisetzungspotenzial. Hier können Eigenschaften, die zu einer erhöhten Freisetzung in die Luft führen, für die dermale Belastung durchaus den gegenteiligen Effekt haben. So verbleiben beispielsweise Pasten länger auf der Haut als Flüssigkeiten oder Gase, ein hoher Dampfdruck verringert hingegen die Verweilzeit auf der Haut, höhere Temperaturen lassen Hautkotakt eher vermeiden als die Verwendung bei Raumtemperatur. Für einen Vergleich der Gefährdungen durch Hautkontakt sollen die Kriterien der TRGS 401 (insbesondere dort Nummer 3 und 4) herangezogen werden.

 

Exkurs: Gefahrenhinweise mittels H-Sätzen

H-Sätze: weltweit identische Gefahrenhinweise
Im GHS-System der UNO wurden die früheren R-Sätze und S-Sätze durch sog. H-Sätze und P-Sätze abgelöst.

H-Sätze ("Hazard-Statement".) sind Gefahrenhinweise, die weltweit abgestimmt sind und genau in diesem Wortlaut auf das Etikett übernommen werden müssen. Welcher Gefahrenhinweis für welche Gefahreneigenschaft gilt, findet sich im Anhang I der CLP-Verordnung (Teile 2-5 der jeweiligen Abschnitte "Gefahrenkommunikation"). Eine Tabelle zu den verschiedenen Textfassungen der Gefahrenhinweise ist in Anhang III Teil 1 abgebildet.

Wichtige H-Sätze, die in der TRGS 900 genannt werden:

H301  Giftig bei Verschlucken. 
H311 Giftig bei Hautkontakt
H331 Giftig bei Einatmen
H315 Verursacht Hautreizungen.
H341 Kann vermutlich genetische Defekte verursachen (Expositionsweg angeben, sofern schlüssig belegt ist, dass diese Gefahr bei keinem anderen Expositionsweg besteht).
H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
H373 Kann die Organe schädigen (alle betroffenen Organe nennen) bei längerer oder wiederholter Exposition (Expositionsweg angeben, wenn schlüssig belegt ist, dass diese Gefahr bei keinem anderen Expositionsweg besteht).

            

Anpassung an die CLP-Verordnung (H-Sätze)

5.2 Kriterien für die technische Eignung
[…]
(6) Es müssen mindestens Prüfdaten oder entsprechende aussagekräftige Informationen zur akut toxischen, reizenden, hautsensibilisierenden, keimzellmutagenen Wirkung und zur spezifischen Zielorgan-Toxizität bei wiederholter Exposition vorliegen. Wenn diese Informationen fehlen, sind folgende Gefahrenkategorien zu unterstellen:

  1. Acute Tox. 3 (Akute Toxizität Kategorie 3; H301, H311, H331),
  2. Skin Irrit. 2 (Hautreizung Kategorie 2; H315),
  3. Muta. 2 (Keimzellmutagenität Kategorie 2; H341),
  4. Skin Sens. 1 (Hautsensibilisierend Kategorie 1; H317) und
  5. STOT RE 2 (Spezifische Zielorgan-Toxizität bei wiederholter Exposition Kategorie 2; H373).

Bemerkung: Auch im Spaltenmodell im Anhang 2, Tabelle 5 wurden die H-Sätze ergänzt. Außerdem änderte sich die Bezeichnung von ehemals „Brand- und Explosionsgefahren“ zu aktuell „Physikalisch-chemische Einwirkungen (Brand, Explosion, Korrosion)“

In der alten TRGS 600 hieß es hier:

(5) Bei der Anwendung der Modelle müssen mindestens folgende grundlegende Prüfungen oder Bewertungen vorliegen:

  1.  Prüfung auf akute Toxizität,
  2. Prüfung auf Hautreizung, Schleimhautreizung,
  3. Prüfung auf erbgutveränderndes Potenzial,
  4. Prüfung auf Hautsensibilisierung und
  5. Bewertung der Toxizität bei wiederholter Applikation (Prüfung oder qualifizierte Bewertung).

(6) Ob die Prüfungen oder Bewertungen durchgeführt wurden, kann anhand des Sicherheitsdatenblattes (Abschnitt 11 „Toxikologische Angaben") festgestellt werden oder muss anderweitig, insbesondere durch Nachfrage beim Lieferanten ermittelt werden. Können die Informationen nach Absatz 5 Nr. 1–5 nicht ermittelt werden, so sind – je nach fehlenden Informationen – mindestens folgende Eigenschaften zu unterstellen:

  1. gesundheitsgefährlich (Kennzeichnung mit R20, 21 oder 22),
  2. hautreizend (Kennzeichnung mit R38),
  3. Verdacht auf Erbgutveränderung (Kennzeichnung mit R68) und
  4. hautsensibilisierend (Kennzeichnung mit R43).

 

Präzisierung der zu prüfenden Angaben auf dem Sicherheitsdatenblatt

(8) Es ist zu prüfen, ob das Sicherheitsdatenblatt (dort Abschnitt 9 „Physikalische und chemische Eigenschaften“) zu physikalischen Gefahren bzw. zu Brand- oder Explosionsgefährdungen wie z. B. durch explosionsfähige Gemische entsprechende Angaben und sicherheitstechnische Kenngrößen enthält. Beispielsweise sind folgende Angaben im Sicherheitsdatenblatt zu prüfen:

  1. Siedepunkt,
  2. Dampfdruck,
  3. Relative Dichte bezogen auf Luft (Gase und Dämpfe),
  4. untere und obere Explosionsgrenzen,
  5. Flammpunkt,
  6. Zündtemperatur (Gase und Flüssigkeiten),
  7. Selbstentzündungstemperatur (Feststoffe),
  8. Pyrophore Eigenschaften,
  9. Abbrandgeschwindigkeit,
  10. Maximale Gasentwicklungsrate bei Reaktion mit Wasser sowie Angabe des sich dabei bildenden Gases,
  11. Korngröße und Korngrößenverteilung (relevant ist der Feinkornanteil kleiner 0,5 mm),
  12. Oxidationskraft im Vergleich zum Referenzgemisch,
  13. aktiver Sauerstoffgehalt bei organischen Peroxiden,
  14. exotherme Zersetzungsenergie,
  15. Prüfergebnisse zur thermischen Empfindlichkeit (BAM-Stahlhülsentest nach Verordnung (EG) Nr. 440/2008, Methode

A.14 oder Koenen-Test nach UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods, Manual of Tests and Criteria, (UN RTDG), Handbuch über Prüfungen und Kriterien“ unter Angabe der Testserie), sowie zur Schlagempfindlichkeit und Reibempfindlichkeit

 

Quellen: gg / GMBl vom 24.06.2020, S. 405-418; www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Gefahrstoffe/Einstufung-und-Kennzeichnung/Kennzeichnungselemente/Gefahrenhinweise-fuer-Gefahrstoffe.html; www.reach-compliance.ch/downloads/ghshpcodesde_12.pdf

 

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