Rückenschmerzen bei der Arbeit – oftmals ist die Psyche schuld

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Rückenschmerzen bei der Arbeit – oftmals ist die Psyche schuld | 02.02.2015

Es ist gesicherte Erkenntnis, dass psychische und soziale Faktoren ganz wesentlich an der Entstehung und Aufrechterhaltung insbesondere von unspezifischen Rückenschmerzen beteiligt sind. Deshalb sind nicht sämtliche Rückenleiden auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen.

Grundsätzlich kann eine ergonomisch optimal gestaltete Arbeit als Voraussetzung für die „Rücken-Gesundheit“ der Beschäftigten dienen.

Arbeitsmittel (Sitzmöbel, Schreibtisch, Aufstellung des Bildschirms etc. sind in regelmäßigen Abständen daraufhin zu überprüfen, ob sie rückenschädigende Fehlhaltungen fördern. Ist dieses der Fall, sollten diese möglichst „auf kurzem Wege“ ersetzt werden können.

Ermutigend ist, dass Rückenschmerzen eine gute spontane Rückbildungstendenz innerhalb weniger Wochen aufweisen können.
Bewegung führt in den allermeisten Fällen zu deutlich besseren Heilungserfolgen als der Verzicht auf körperlichen Aktivitäten.
Bewegungsprogramme sollten langfristig angelegt und individuell ausgerichtet sein.

Präventions- und Interventionsmaßnahmen im Betrieb können wesentlich zur Verhinderung bzw. Verminderung von Rückenschmerzen sowie zur Reduzierung von Fehlzeiten und Produktionsausfällen beitragen.

Arbeitsschutzrechtliche Fragestellungen in der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungsfaktoren betrachten.

Technische Maßnahmen, z.B.

- Stand der Technik berücksichtigt?
- Umgebungsfaktoren (Lärm, Beleuchtung, Belüftung, Gerüche, Hitze, Kälte, Ergonomie… in Ordnung)?
- Gefahrstoffsubstitution vorgenommen?

Organisatorische Maßnahmen, z.B.

- Wechsel der Tätigkeit wird angeboten (Rotation)?
- Mischtätigkeit wird angeboten?
- Einhaltung der Pausen-, Ruhezeiten wird gewährleistet? Ggf. Dienstvereinbarung treffen
- Dienst- und Tourenplanung wird frühzeitig bekanntgegeben?
- Eindeutige Aufgabenbeschreibung und Verantwortlichkeiten festgelegt/delegiert?
-„Räume“, in denen informelle Kommunikation möglich ist

Persönliche Maßnahmen, z.B.

- Qualifizierung/Schulung/Weiterbildung ausreichend? (betrifft alle Beschäftigten?)
- Coaching/Supervision angeboten?
- Einarbeitungszeit/-art ausreichend?
- Unterweisungen regelhaft und dokumentiert?
- Lob, Anerkennung, Wertschätzung, Teambildungsmaßnahmen gewährleistet?

Betriebliche Maßnahmen zur Förderung der Rückengesundheit

  • Ergonomische Arbeitsbedingungen sicherstellen,
  • Übungs- und Bewegungsprogramme durchführen, Entspannungstrainings anbieten
  • Arbeitsorganisatorische Maßnahmen:
    - Handlungsspielräume bei der Arbeit ermöglichen, ggf. erweitern; dadurch wird die Kontrolle über die
      eigenen Arbeitsbedingungen erhöht
    - abwechslungsreiche Arbeitsplätze schaffen;
    - fachliche Unterstützung bei der Aufgabenbebewältigung (gerade Berufsanfänger);
    - Transparenz über den eigenen Arbeitsbereich gewährleisten;
    - Ausgleich für stark emotional beanspruchende Aufgaben schaffen;
    - entspannungsfördernde Pausen in den Arbeitsalltag integrieren.

Maßnahmen zur Förderung des sozialen Klimas

  • Eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur zur Vorbeugung von Rückenschmerzen /-erkrankungen zeichnet sich dadurch aus, dass:
    - den Beschäftigten regelmäßig Rückmeldung und Anerkennung entgegengebracht wird;
    - soziale Unterstützung im eigenen Verantwortungsbereich entgegengebracht wird
    - ein Coaching und Mentoring von Mitarbeitern angeboten wird.
    - Maßnahmen, die auf ein positives Sozial-/Organisationsklima zielen verankert werden

Was muss beachtet werden?

Zur Förderung und Verbesserung der Rückengesundheit gehört:

1. Eine Ist-Analyse zu erstellen
(z.B. AU-Daten/tätigkeits-, personenbezogene Analysen, Mitarbeiter-Befragungen (SGA/FAGS/AMSE)

2. Aus den erhobenen Risikofaktoren, deren Ausmaß und Kombination können betriebliche Maßnahmen abgeleitet werden. Dabei sind Mehrkomponenten-Programme besonders wirksam:
Ergonomische Maßnahmen, arbeitsorganisatorische Verbesserungen, Schulungen für Vorgesetzte und Mitarbeiter sowie Übungs- und Bewegungsprogramme werden dabei miteinander verknüpft.

Der Erfolg betrieblicher Bemühungen zur Förderung der Rückengesundheit hängt wesentlich auch von folgenden Faktoren ab:
► Anpassung der Interventions- und Präventionsmaßnahmen an die konkreten Risikofaktoren der Arbeitsplätze;
► aktive Beteiligung der Beschäftigten an der Auswahl und Durchführung der Maßnahmen;
► aktive Unterstützung der Maßnahmen durch Geschäftsleitung und Führungskräfte.

Weitere Tipps

  • Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Arbeitsplatz. Oft reichen einfache Handgriffe und Einstellungen an den Büromöbeln, um die Rückenbelastung zu senken (Ein e-learning- Tool mit ergonomischen Grundeinstellungen, Ausgleichsübungen kann unterstützende kompetenzsteigerde Effekte haben)
  • Achten Sie aber auch im privaten Umfeld auf rückenfreundliche Verhältnisse. Entsprechen zum Beispiel das Bett, das Sofa, die Schuhe oder der Autositz den Anforderungen an rückengerechte Produkte?
  • spezielle Schmerzbewältigungstechniken, die man erlernen kann, fördern die Fähigkeit zu entspannen. Dazu gehören z.B.: autogenes Training, progressive Muskelentspannung etc.

Denken Sie daran:
Verspannung verursacht Schmerzen,
Entspannung lindert Schmerzen

Rückenschmerzen bei der Arbeit – oftmals ist die Psyche schuld tabelle1

Quelle: Stefan Johannsen, Dipl.- Biologe

 

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