© Sebastian Duda – fotolia.com

Hygieneanforderungen im Betrieb – Gesundheit der Beschäftigten und Dritter durch Hygienemanagement schützen| 09.05.2015

In Betrieben wie Gastronomien, Kindertagesstätten, Lebensmittelherstellung, -verkauf, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Küchen, Büros, ist die Einhaltung hygienischer Grundsätze besonders wichtig. Die Vermeidung von Erkrankungen spart Ressourcen und Kosten, die durch die Behandlung erkrankter Personen anfallen, sowie Kosten, die durch krankheitsbedingten Arbeitsausfall entstehen.

Der Gesetzgeber regelt genau, wer welche Hygienemaßnahmen in welchen Bereichen umsetzen muss, u.a. Biostoffverordnung i.V.m. TRBA 500, TRBA 250, Verordnung über Lebensmittelhygiene EG Nr. 852/2004 und Nr. 853/2004, Infektionsschutzgesetz, HACCP, IFS.

Aber auch dort, wo Hygiene nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, empfiehlt sich ein Hygienemanagement, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren und die Mitarbeitergesundheit, unterstützend durch Schulungen und jährliche Unterweisungen (§ 12 ArbSchG, § 14 BioStoffV, § 14 GefStoffV, § 43 IfSG) zu schützen.

Der Arbeitgeber hat bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes den Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen (§§ 3,4 ArbSchG). Somit gehört die Schaffung optimaler Hygienebedingungen zur sozialen Verantwortung eines Unternehmens. Aber auch die Beschäftigten tragen Verantwortung, z.B. nicht frühzeitig mit einer nicht auskurierten Lungenentzündung zur Arbeit marschieren oder ihre abgelaufenen Lebensmittel umgehend aus dem Betriebskühlschrank zu nehmen.

Arbeitgeber sollten im Rahmen ihrer betrieblichen Gefährdungsbeurteilung, den Hygieneaufwand bewerten und entsprechende Maßnahmen vorsehen.

Folgende allgemeine Hygienetipps sind zu beachten:

Handwaschbecken

  • müssen in ausreichender Zahl vorhanden,
  • mit Kalt und Warmwasseranschluss versehen und leicht zugänglich sein, 
  • Spender mit Flüssigseife und Desinfektionsmittel sind vorzuhalten,
  • Einweg-Papier-Handtücher in geeigneten Spendern und
  • Müllbehälter für die Entsorgung der Einweghandtücher müssen bereitstehen

Personal Toiletten

  • dürfen nicht direkt von den Produktionsräumen aus zugänglich sein,
  • müssen sauber bzw. regelmäßig angemessen gereinigt werden, 
  • Gibt es ein Hinweisschild, das das Personal darauf aufmerksam macht nach dem Toilettengang die Toilette zu säubern sowie die Hände gründlich zu reinigen und zu desinfizieren?

Reinigung/Desinfektion

  • Ein Reinigungsplan (ggf. Hygieneplan) ist vorhanden und wird strikt befolgt bzw. kontrolliert

Geschirrspülmaschine

  • Im Bereich der Geschirrspülmaschine sind Einweg-Papier-Tücher vorhanden, um das Geschirr notfalls nach zu trocknen

Flächen/Geräte

  • Oberflächen von Einrichtungen (Tischflächen, Schneidebretter, Maschinen, Schränke, Regale, Kühlschränke usw.), die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, sind aus glatten, abwaschbaren und hygienisch unbedenklichen Materialien
  • und werden regelmäßig nach Gebrauch gründlich gereinigt
  • Arbeitsflächen und Geräte wie Schneidebretter oder Aufschnittmaschinen werden gegebenenfalls desinfiziert? 
  • die Reinigung der Arbeitsflächen erfolgt mit Mehrweg-Stofftüchern oder mit Einweg-Papier-Tüchern

Personal

  • Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Impfstatus,
  • Waschen Sie die Hände gründlich mit ph-neutraler Seife (Spender, s. ASR A 4.1) und Wasser (unter Beachtung der Mindesteinwirkzeit von 20-30 sec.; ggf. hygienisch desinfizieren) unmittelbar nach Benutzung der Toilette, nach Reinigungsarbeiten, vor dem Umgang mit Lebensmitteln und vor dem Essen, ggf. nach den Pausen und vergessen Sie dabei nicht die Handpflege,
  • Reinigen Sie regelmäßig ihren Arbeitsplatz, z.B. Schreibtisch, Tastatur, Telefon, Arbeitsmaterialien, Türklinken (Noroviren können auf unbelebten Oberflächen sieben Tage überleben, andere Bakterien mehrere Monate)
  • Vermeiden Sie den Gebrauch personenbezogener Dinge wie Handtücher, Taschentücher, etc. 
  • Informieren Sie sich über den richtigen Umgang mit offenen Wunden, Blut und Körperausscheidungen,
  • Halten Sie alle Oberflächen in der (Kaffee-)Küche, alle Küchenutensilien und den Kühlschrank sauber 
  • Achten Sie auf richtiges Hygieneverhalten beim Husten und Niesen, 
  • sowie auf regelmäßige Körperreinigung mit nachfolgender Hautpflege, 
  • „halb-kranke“ Mitarbeiter sollten zuhause bleiben, 
  • Die bei Patientenkontakt erforderliche hygienische Händedesinfektion mit alkoholischen Präparaten sollte VOR Patientenkontakt, VOR aseptischen Tätigkeiten, NACH Kontakt mit potenziell infektiösem Material, NACH Patientenkontakt, NACH Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung (Hygienebeauftragte(n) kontaktieren!) 
  • In Betrieben mit erhöhten Hygieneanforderungen (z.B. Küche, Lebensmittel) ist darauf zu achten, dass vor Arbeitsbeginn Uhren und Schmuck abgelegt werden, abgerundete, kurze Fingernägel, die die Fingerkuppen nicht überragen, zu tragen sind
  • und nach dem Bearbeiten von Rohwaren wie Fleisch, Geflügel, Fisch, Eiern, erdbeschmutztem Salat oder Gemüse die Hände gründlich gereinigt und gegebenenfalls desinfiziert werden

Die Wahl von Hautschutz-, -reinigung, -pflege sowie Desinfektionsmitteln (s. Desinfektionsmittelliste des VAH) sollte im Hinblick auf die betrieblichen Erfordernisse (Keimspektrum) sowie gesundheitlichen Bedürfnisse der Beschäftigten, wie Rückfettung der Haut, hypoallergen bewusst ausgewählt, getestet und ggf. angepasst werden.

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

Produktempfehlung

unterweisung direktUnterweisung direkt

Geschieht in Ihrem Unternehmen ein Unfall, prüfen Behörden zunächst, ob Sie Ihre Mitarbeiter unterwiesen haben. Dabei müssen Sie die Unterweisung bei jedem Mitarbeiter neu durchführen und dann mindestens einmal jährlich wiederholen. Sparen Sie sich viel Aufwand und gehen Sie einfach mit „Unterweisung direkt“ auf Nummer sicher.

>> mehr Informationen 

Mehr zum Thema

Welthändehygienetag: Richtige Händehygiene schützt vor Infektionen

Infektionsschutz: Überarbeitete TRBA 250 bei der BGW als Broschüre erhältlich

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Belastungen abbauen, Gesundheit stärken