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Psychische Belastungen: Empfehlungen und Prüffragen zur Auswahl von Instrumenten/Verfahren  | 11.01.2016

Zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung gibt es ein breites Spektrum an Instrumenten und Verfahren, die in verschiedenen betrieblichen Gegebenheiten und Bedürfnissen Rechnung tragen. Beispielhaft ausgewählte Instrumente und Verfahren sind u.a. im Fachbuch der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin dargestellt (www.esv.info/978-503-15439-5).

Als Unternehmen stellt sich hier die Aufgabe, sich für Vorgehensweisen und Instrumente zu entscheiden, die zu ihren betriebsspezifischen Gegebenheiten und Bedürfnissen passen. Es ist empfehlenswert, hierzu Beratung und Unterstützung bei dem zuständigen Unfallversicherungsträger oder bei der zuständigen Aufsichtsbehörde nachzufragen. Auch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern Informationen und Beratung zum Thema an. Betrieben ist zu empfehlen, bei der Auswahl eines passenden Instruments/Verfahrens folgende Prüffragen und Empfehlungen zu berücksichtigen:

Welche Methoden oder Methodenkombination wird bevorzugt?

  • Psychische Belastung kann im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung anhand von Analyseworkshops, Beobachtungsinterviews, oder Mitarbeiterbefragungen erfasst und beurteilt werden.
  • Jede dieser Vorgehensweisen hat spezifische Stärken, aber auch spezifische Voraussetzungen und Grenzen, die abzuwägen sind (siehe nachstehende Übersicht).
  • Es gilt, Vor- und Nachteile der Methoden im Auswahlprozess mit Blick auf die eigenen Bedürfnisse und Anforderungen abzuwägen.
  • Bei der Auswahl in Betracht zu ziehen ist aber auch, mit welchen Vorgehensweisen schon gute Erfahrungen im Betrieb gemacht wurden, auf welche betrieblichen Strukturen und Kompetenzen aufgebaut werden kann.

 

Übersicht: Stärken und Grenzen der Vorgehensweisen im Überblick

 

Soll zunächst ein erster Überblick über die psychische Belastung gewonnen werden oder soll die Analyse möglichst detailliert sein?

  • Grundsätzlich kann es empfehlenswert sein, sich zunächst einen Überblick über die psychische Belastung der Arbeit im betrachteten Bereich zu verschaffen („Grobanalyse") und auf dieser Basis Problemschwerpunkte zu bestimmen, die dann im weiteren Prozess tiefergehender analysiert werden („Feinanalyse“)
  • Für die Zwecke der „Grobanalyse“ eignen sich insbesondere standardisierte Mitarbeiterbefragungen bzw. der Einsatz von Prüf- und Checklisten.
  • Entsprechende Fragebögen und Prüflisten bieten die Möglichkeit, ein vergleichsweise breites Spektrum zumindest grobkörnig zu beschreiben, so dass Problemlagen erkannt und Schwerpunkte der weitergehenden Analyse gesetzt werden können.
  • Sollten sich Hinweise auf Gefährdungen ergeben, müssen diese für die Maßnahmenplanung allerdings weitergehend konkretisiert werden (zum Beispiel in Workshops oder durch Beobachtungsinterviews).
  • Dieser Folgeschritt sollte in der Gesamtplanung berücksichtigt werden.
  • Für feinkörnige Beschreibungen spezifischer Belastungssituationen sind eher Workshops mit den betroffenen Beschäftigten und Führungskräften empfehlenswert oder entsprechend detailliert ermittelnde Beobachtungsinterviews.
  • Solche Verfahren ermöglichen auch Analysen der Ursachen und Auftretensbedingungen kritischer Belastungssituationen und bieten Anknüpfungspunkte für die Entwicklung entsprechender Maßnahmen.

Erfassen die Instrumente die psychischen Belastungsfaktoren, die bei den zu beurteilenden Tätigkeiten/Bereichen relevant sind?

In die Gefährdungsbeurteilung sind die psychischen Belastungsfaktoren einzubeziehen, die bei der Arbeit im konkret zu betrachtenden Arbeitsbereich auftreten können. Einen Überblick über psychische Belastungsfaktoren gibt die Zusammenstellung in der Anlage der „Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung“ (siehe www.gda-psyche.de). Diese Zusammenstellung ist allerdings nicht abschließend: Je nach Tätigkeitsanforderungen und Bedingungen im konkret zu betrachtenden Bereich können auch andere, dort nicht genannte Faktoren relevant sein. Ebenso kann eine Vorabbetrachtung ergeben, dass in dem konkret zu betrachtenden Bereich nur ein Teil der dort genannten Belastungsfaktoren bedeutsam ist und entsprechend berücksichtigt werden muss.

Es ist empfehlenswert, Instrumente in die nähere Auswahl zu nehmen, die für die eigene Branche entwickelt wurden oder für die Berufsgruppe von besonderer Bedeutung sind.

Haben sich Instrumente/Verfahren für die Zwecke der Gefährdungsbeurteilung praktisch bewährt?

Es ist grundsätzlich empfehlenswert, auf Instrumente oder Verfahren zurückzugreifen, die für die Zwecke der Gefährdungsbeurteilung entwickelt wurden und sich für diese Zwecke praktisch bewährt haben (ausgewiesen durch betriebliche Referenzen bzw. Praxisbeispiele). Dabei sind die spezifischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anwendung zu berücksichtigen.
Insbesondere, wenn passende praxisbewährte Instrumente und Verfahren nicht vorhanden sind, kann es auch empfehlenswert sein, eigene Instrumente und Verfahren zu entwickeln oder vorhandene Instrumente an die jeweiligen besonderen Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen. Dies erfordert allerdings entsprechende Methoden- und Fachkompetenzen.

Welchen sonstigen unternehmensspezifischen Anforderungen sollen die Instrumente genügen?

Je nach spezifischen Voraussetzungen und Bedürfnissen im Unternehmen können weitere Anforderungen für die Auswahl bedeutsam sein, zum Beispiel:

  • Erforderlicher Vorbereitungs- und Schulungsaufwand im Vorfeld der Verfahrensanwendung.
  • Erforderlicher zeitlicher und personeller Aufwand bei der Verfahrensanwendung; Umfang
  • Kosten durch ggf. erforderliche Schulungen, Leistungen externer Dienstleister und/oder Nutzungs- und Lizenzgebühren.
  • (Langfristige) Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Instruments/Verfahrens für die Zwecke der Gefährdungsbeurteilung.
  • Verfügbarkeit von Beratungs- und Unterstützungsangeboten zum Instrument/Verfahren (z.B. durch spezialisierte Dienstleister oder in spezifischen Anwendernetzwerken).
  • EDV-Unterstützung, Software zur Erfassung und Auswertung der Daten, Integration in bestehende EDV-Systeme.
  • Verfügbarkeit von Übersetzungen in andere Sprachen.

 

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe



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