Betriebliche Leitlinie zum Umgang mit Stress für Führungskräfte und Beschäftigte

© Antonioguillem - fotolia.com

Betriebliche Leitlinie zum Umgang mit Stress für Führungskräfte und Beschäftigte | 27.09.2016

Stress ist einer der wesentlichen Faktoren, wodurch Beschäftigte krank werden. Chronischer Stress ist mit folgenden Gesundheitsgefährdungen verbunden:

  • Nicht abbaubare körperliche Erregung
  • Chronisch überhöhtes Erregungsniveau durch anhaltende Belastung
  • Zunehmendes gesundheitsbelastendes Erregungsniveau
  • Kurzfristig erhöhte, langfristig verminderte Schmerztoleranz
  • Kurzfristig erhöhte, langfristig verminderte Immuntoleranz

Um arbeitsbedingten Stress effektiv zu begegnen kann, als eine Maßnahme ihrer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, eine innerbetriebliche Richtlinie zur Vermeidung von und zum Umgang mit Stress für Mitarbeiter und Führungskräfte hilfreich sein.

Eine Leitlinie zum Umgang mit Stress könnte für Führungskräfte wie folgt strukturiert sein:

Ziel dieser Leitlinie für Sie als Führungskraft ist es, Sie im Arbeitsalltag bei Folgendem zu unterstützen:

a) Wie vermeiden Sie Stress für Ihre direkten Mitarbeiter

Als Führungskraft ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben die Führung und das Management der direkten Mitarbeiter innerhalb der Organisation. Sie können dabei helfen, Stresssymptome bei Ihren direkten Mitarbeitern zu vermeiden, wenn Sie selbst Folgendes beachten:

  • Arbeitsanforderungen: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter die Anforderungen erfüllen können, die an sie gestellt werden.
  • Kontrolle: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter ein Mitspracherecht hinsichtlich der Art und Weise, wie der Job erledigt wird, haben.
  • Unterstützung: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter angemessene Informationen sowie Unterstützung von Kollegen und dem Management erhalten.
  • Beziehung: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter keinem unangemessenen Verhalten ausgesetzt sind, z.B. Mobbing, Belästigung.
  • Position: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter ihre Position und die Erwartungen, die an sie gestellt werden, verstehen. Übernehmen Sie die Verantwortung, dass alle Ihre Mitarbeiter eine formelle Stellenbeschreibung haben.
  • Veränderung: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter regelmäßig in organisatorische Änderungen eingebunden sind. Es sollte eine stetige und offene Kommunikation über kommende Änderungen und deren Auswirkungen auf Ihre Mitarbeiter, einschließlich einer Möglichkeit für zur Beantwortung von Fragen, geben. Wenn möglich, beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in den Änderungsprozess mit ein, z. B. bei der Zuteilung von Aufgaben, Besprechungen über die Büroausstattung.
  • Anerkennung & Feedback: Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter ein regelmäßiges Feedback und Anerkennung erhalten, und zwar nicht nur einmal jährlich im Zuge des formellen Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gesprächs (MAVG). Kennen Sie Ihre Mitarbeiter gut, dann ist dies eine gute Möglichkeit Ihre Dankbarkeit und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Mitarbeiterführung im Stil eines Coachings kann Ihre Mitarbeiter vor Stress bewahren, und Sie erfahren frühzeitig von Problemen. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter nach ihren Arbeitssituationen, dem Druck bei der Arbeit, dem Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben, um so Hilfestellung leisten zu können. Dies sollte sowohl während des jährlichen Dialogs als auch über das Jahr verteilt geschehen.

b) Wie erkennen Sie, ob Ihre direkten Mitarbeiter unter Stress stehen?

  • Arbeitsausfall:
    Ihre Beschäftigten erscheinen aufgrund kurzzeitiger Krankheiten häufig nicht zur Arbeit.
  • Leistungsprobleme:
    Ihre Beschäftigten haben Schwierigkeiten bei der Durchführung der geplanten Aufgaben oder der Erfüllung ihrer Pflichten.
  • Beziehung:
    Ihre Beschäftigten zeigen häufiger negative Gefühlsreaktionen gegenüber Kunden, Kollegen oder Vorgesetzten.
  • Arbeitszeit:
    Ihre Beschäftigten haben Probleme mit der Planung und Organisation ihrer Arbeitszeit.

Wenn Sie Änderungen im Verhalten Ihrer Mitarbeiter, wie unter Punkt b) beschrieben, erkennen, so achten Sie darauf, dass Sie die unter a) angegebenen Punkte beachten.

c) Wie reduzieren Sie den Stress Ihrer direkten Mitarbeiter?

  • Zudem sollten Sie ein/mehrere Gespräche führen und Ihre Beobachtungen mit dem entsprechenden Mitarbeiter besprechen.
  • Führen Sie Ihr Team im Stil eines Coaching, hören Sie Ihren Mitarbeitern zu, und erarbeiten Sie gemeinsam einen Handlungsplan zur Bewältigung der Situation, z. B. Schulung, weiteres Coaching, Beratung, vorübergehende Anpassung der Position oder der Arbeitsweise.
  • Zu diesem Zeitpunkt sollte auch die entsprechende Abteilung für eine weitere Beratung konsultiert werden.
  • Auch durch alternierendes Arbeiten kann arbeitsbedingter Stress gemindert werden. Daher sollte dies in Erwägung gezogen werden.

Eine Leitlinie zum Umgang mit Stress könnte für Beschäftigte könnte wie folgt strukturiert sein:

Die folgende Richtlinie ist für Mitarbeiter bestimmt und enthält allgemeine Tipps zur Bewältigung von Stresssituationen.

  • Zunächst versuchen Sie selbst, die Ursache des Stresses herauszufinden und fragen sich: "Was kann ich tun, um die Situation zu verbessern?"
  • In unserem Intranet/Gesundheitsschutzordner finden Sie einen mehrsprachigen Einführungstext, der eine gute Einführung in die Ursachen und Auswirkungen von stressbedingten Problemen darstellt.
  • Idealerweise sagen Sie Ihrem Vorgesetzten frühzeitig, ob Ihr Stress arbeitsbezogene Ursachen hat, denn dadurch hat dieser die Möglichkeit, Ihnen zu helfen, und einer Verschlechterung der Situation vorzubeugen.
  • Auch wenn ihr Stress nicht arbeitsbedingt ist, kann Ihr(e) Vorgesetzte(r) gegebenenfalls etwas tun, um den Druck, der auf Ihnen lastet, etwas zu mindern. Ist der Grund für den Druck der Vorgesetzte, so kontaktieren Sie bitte unseren Betriebsarzt/-ärztin/Vertrauensperson.
  • Vielen Mitarbeitern widerstrebt es aufgrund des damit verbundenen Stigmas, auf der Arbeit über Stress zu reden. Sie fürchten, als schwach betrachtet zu werden. Aber Stress ist keine Schwäche; jeder kann unter Stress leiden und erstzunehmende gesundheitliche Folgen erleiden.

Hier einige praktische Tipps zum Umgang mit arbeitsbedingtem Stress:

Hinweis 1: Erkennen Sie Warnzeichnen von übermäßigem Stress auf der Arbeit
Wenn Sie sich auf der Arbeit überfordert fühlen, unter Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen oder Leistungsproblemen leiden oder häufig Konflikte mit Kollegen haben, dann nehmen Sie diese Anzeichen ernst. Denn ignorieren Sie Warnzeichen von Stress, so kann dies zu schwerwiegenderen Problemen führen. Neben einem störenden Einfluss auf die Arbeitsleistung und die Zufriedenheit, kann chronischer oder intensiver Stress auch zu körperlichen und emotionalen Gesundheitsproblemen führen.

Hinweis 2: Reduzieren Sie Stress im Job, indem Sie auf sich Acht geben
Hat der Stress auf der Arbeit bereits Einfluss auf Ihre Leistungsfähigkeit im Job oder auf Ihr Privatleben oder sogar negative Auswirkungen auf Ihre Gesundheit, so ist es an der Zeit zu handeln. Beginnen Sie damit, auf Ihre körperliche und emotionale Gesundheit zu achten, z. B. durch:

  • regelmäßige Bewegung, Meditation, QiGong oder Yoga,
  • eine ausgewogene und bewusste Ernährung,
  • mäßigen Alkoholkonsum und Vermeidung von Nikotin und anderen Drogen, (Ausnahme: erforderliche Medikamente in Absprache mit ihrem Arzt/Ärztin)
  • für ausreichend erholsamen Schlaf sorgen
  • Beachtung der betrieblichen Regelung zum Umgang mit Überstunden
  • Sozialkontakte erhalten durch rechtzeitiges Feierabend machen
  • Individuelle, angemessene Urlaubsplanung

Hinweis 3: Reduzieren Sie Stress im Job durch das Setzen von Prioritäten
Droht der Stress im Job und am Arbeitsplatz Sie zu erdrücken, so beginnen Sie damit, Prioritäten zu setzen und Ihre Verantwortlichkeiten in Bezug auf Ihr Zeit- und Aufgabenmanagement zu organisieren.

  • Erstellen Sie einen ausgeglichenen Zeitplan für Ihre täglichen Aufgaben.
  • Überfordern Sie sich nicht / Bitten Sie Ihren Manager um eindeutige Abgabetermine.
  • Planen Sie regelmäßige Pausen ein.
  • Setzen Sie Prioritäten für Ihre Aufgaben / Erstellen Sie eine Liste aller Aufgaben, und bitten
  • Sie Ihren Vorgesetzten die entsprechenden Prioritäten mit Ihnen zu besprechen.
  • Unterteilen Sie große Aufgaben oder Projekte in kleine Schritte.
  • Delegieren Sie, oder suchen Sie Unterstützung und die Mitarbeit anderer - wenn möglich.

Hinweis 4: Reduzieren Sie Stress im Beruf, indem Sie kontraproduktive Angewohnheiten ausräumen
Viele von uns verschlimmern den Stress im beruflichen Umfeld noch durch negative Gedanken und ein negatives Verhalten. Versuchen Sie, dies zu vermeiden bzw. zu verringern, indem Sie z. B.:

  • verstehen, dass Sie nicht perfekt sein müssen. In den meisten Fällen ist eine pragmatische Lösung angebrachter, als eine 100%-ig optimierte, aber äußerst zeitaufwendige Lösung.
  • Wandeln Sie, soweit möglich, negatives in positives Denken um.
  • Akzeptieren Sie, dass es Dinge gibt, die Sie nicht kontrollieren können. Binden Sie Ihren Vorgesetzten ein, falls dieses der Fall ist.

Stefan Johannsen, Diplom Biologe

 

Produktempfehlung

sicherheitshandbuch auf cd-romSicherheitshandbuch auf CD-ROM

Das Praxishandbuch mit CD-ROM liefert praxisnahe Handlungsempfehlungen, Umsetzungshilfen und Arbeitshilfen, um die gesetzlichen Anforderungen an einen sicheren Arbeitsschutz einfach zu erfüllen und dies lückenlos nachzuweisen.

>> mehr Informationen

Rechtsvorschriften

DGUV Vorschrift 1 "Grundsätze der Prävention"

Für PREMIUM-User ist der Zugriff auf alle Rechtsvorschriften frei.

Kostenlos_fuer_Premium_Kunden Sie sind noch kein PREMIUM-User?

>> Mehr Informationen

Mehr zum Thema

Und sie arbeiteten sicher und gesund... - gesetzliche Unfallversicherung wirbt für gute Führung und störungsfreies Arbeiten

Stressanalyse – persönliche Stressmuster erkennen können

Psychische Faktoren – Gefährdungsbeurteilung angemessen durchführen