Ergonomiebeauftragte – nachhaltiges Gesundheitsbewusstsein durch kollegiale Beratung etablieren

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Ergonomiebeauftragte – nachhaltiges Gesundheitsbewusstsein durch kollegiale Beratung etablieren | 23.11.2016

Alternde Belegschaften und Fachkräftemangel, aber auch generationenübergreifende präventive, gesundheitsförderliche Maßnahmen, lassen, angesichts hoher Arbeitsausfalltage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen betriebliche Ergonomiebeauftragte an Bedeutung gewinnen.

Als Voraussetzung für eine gesundheitsförderliche Arbeit sollten vom Arbeitgeber vorgesehene Ergonomiebeauftragte mitwirken und sich einbringen wollen in:

  • die Beschaffung von ergonomischem Mobiliar und Arbeitsmitteln
  • Arbeitsmittel an die Beschäftigten individuell anpassen
  • Wissen und Hintergründe an die Beschäftigten vermitteln, Unterstützung anbieten
  • Weitergabe von Lebens- und Arbeitserfahrung
  • die Aufgeschlossenheit gegenüber gesundheitlichen Themen am Arbeitsplatz
  • die Aufgeschlossenheit gegenüber der Technik und den damit verbundenen Veränderungen der Arbeitswelt
  • das Zeigen sozialer Kompetenz in besonderem Maße und Offenheit gegenüber den Beschäftigten
  • die Akzeptanz bei den Beschäftigten
  • Eigeninitiative und Bereitschaft zu steter Fortbildung, Erfahrungen aus Vortragstätigkeit sind hilfreich aber nicht zwingend

Eine klare Willensäußerung durch die Leitungsebene einer Organisation verleiht dem Plan den notwendigen Rückenwind, eine „offizielle“ Einführung, etwa im Rahmen eines Gesundheitstages, schafft die notwendige Aufmerksamkeit im Unternehmen.

Ergonomiebeauftragte

Betriebliche Ergonomiebeauftragte können, als Bindeglied zwischen Kollegen und Vorgesetzen, direkte Ansprechpartner vor Ort sowie als Multiplikator zur Verbreitung von Wissen über Sicherheit und Gesundheitsschutz

  • Eine ergonomische Beurteilung des einzelnen Arbeitsplatzes vornehmen
  • sich individuell jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter beraten/informieren,
  • ihnen dabei grundlegendes Wissen zur Ergonomie ihres Arbeitsplatzes vermitteln,
  • sie bei der Einstellung von Stühlen, Tischen und Bildschirmen, Nutzung von Stehhilfen, Antiermüdungsmatten, Tragen angemessener Schuhe direkt am Arbeitsplatz beraten,
  • offen auf Fragen rund um das Thema Ergonomie reagieren,
  • mit Lösungen zur Stelle sein, wenn etwa die Sehkraft nachlässt oder die Bandscheiben Probleme machen, Schmerzen chronisch werden (Nacken, Schulter, Rücken, Hände, Gelenke)
  • die Sicherheitsfachkraft und Betriebsarzt unterstützen, beispielsweise bei der Gefährdungsbeurteilung.
  • an Arbeitsausschusssitzungen teilnehmen
  • eine Analyse von Prüflisten und Umgebungsbedingungen vornehmen (z.B. Bildschirme, Software, Licht, Mobiliar, Greifräume)
  • Führungskräfte und Geschäftsführung zu diesem Thema informieren und beraten
  • Anstöße zur Inanspruchnahme einer Augen-Untersuchung (Aushang Seh-Check)/Angebots-/Wunschvorsorgevorsorge geben

Dazu werden sie auf diese verantwortungsvolle Aufgabe

  • durch systematische und praxisorientierte Fortbildungen vorbereitet und
  • in geeigneter Weise über Fortentwicklungen, deren Kenntnis für die Wahrnehmung ihrer Aufgabe erforderlich sind, unterrichtet.

Welche Kenntnisse haben Ergonomiebeauftragte durch ihre Qualifikation erworben?

  • Grundregeln der Ergonomie und der Einrichtung von Bildschirmarbeitsplätzen
  • Expertenwissen über gesundheitsförderliche Arbeitsweisen
  • In der Arbeitsstätte eingesetzte Arbeitsmittel
  • In der Arbeitsstätte anzutreffende Arbeitsbedingungen (Arbeitsumgebung; Ausstattungsvorgaben und sonstige Sachstandards; Arbeitsabläufe)
  • Kenntnis über Beschaffungswege
  • Bedeutung der Gesundheitsvorsorge, insbesondere Bewegungs-, Entspannungsübungen am Arbeitsplatz und Stressvermeidung

Dabei haben betriebliche Ergonomiebeauftragte lediglich ein eine Beratungsaufgabe und

  • kein Weisungsrecht
  • keine Kontroll- und Überwachungsfunktion

Nach ihrer Qualifikation sollten sie vom Arbeitgeber schriftlich als Ergonomiebeauftragte benannt werden.

Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe

 

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