Solare Exposition – Beschäftigte über Gefahren von UV-Strahlung und Schutzmaßnahmen informieren

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Solare Exposition – Beschäftigte über Gefahren von UV-Strahlung und Schutzmaßnahmen informieren | 09.06.2017

Sonnenstrahlen setzen sich im Wesentlichen aus kurzwelliger, energiereicher ultravioletter, langwelliger Wärme- bzw. Infrarotstrahlung und dem sichtbaren Bereich, das sog. Sonnenlicht zusammen.

Etwa rund drei Millionen Beschäftigte müssen sich, berufsbedingt, in den Frühjahrs- und Sommermonaten ganz, überwiegend im Freien aufhalten. Diese sind einer erhöhten UV-Strahlung durch die Sonne ausgesetzt.

Die UV-Strahlung setzt sich aus der UV-A, der UV-B und der für den Menschen nicht relevanten UV-C Strahlung zusammen. UV-A und UV-B Strahlung erhöhen das Risiko für Hautkrebs durch Zellschäden und schädigt die Augen durch Entzündungen der Binde- und Netzhaut. Langjährige Expositionen können zu Linsentrübung (grauer Star) bis zur Erblindung führen.

Die erhöhte UV-Strahlenexposition als Folge derzeitiger Abnahme der Ozonschicht (UV-Filterfunktion), ist ein Stressfaktor, der durch persönliches Fehlverhalten (z.B. Vorbräune durch Solarien) keinesfalls gefördert werden sollte. Jeder Sonnenbrand (Erythem) schädigt die Haut nachhaltig und wird auf dem individuellen Hautkonto verbucht. Leichtere Sonnenbrände können sich schnell bilden – je nach Hauttyp reichen oft schon 20 Minuten!

Um geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen sollte man den aktuellen UV-Index sowie den Wert der nächsten Tage kennen (3 Tagesprognose unter www.bfs.de) . Beim UVI handelt es sich um eine international einheitliche Festlegung, die immer in ganzen Zahlen angegeben wird und weltweit zwischen 1 und 11+ oder sogar darüber liegt (UVI-Schutzschema bezieht sich auf den Hauttyp 2!)

So ist von einem mittleren Sonnenbrandrisiko bei einem UV-Index von 3 bis 5, von einem hohen Sonnenbrandrisiko ab einem UV-Index über 6 auszugehen.

Als technische Lösungen zum Schutz von UV-Strahlung kommen in Betracht:

  • Einsatz von UV-Messgeräten
  • UV- absorbierende Überdachungen, Abdeckungen
  • Sonnenschirme, Sonnenschutzzelte
  • UV-absorbierende Fenster einsetzen
  • Sonnensegel (mit UV Schutz)
  • Sonnenplanen

Arbeitsplanung den Witterungsbedingungen anpassen!
Organisatorisch gesehen sollten Beschäftigte im Hochsommer Außenarbeiten zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr vermeiden und Pausen im Innenbereich oder im Schatten verbringen sowie richtiges Verhalten einüben.

  • Arbeitsplatz-, Aufgabenrotation ermöglichen,
  • Wenn möglich, Tätigkeiten in Schattenbereiche verlegen,
  • Weniger dringende Arbeiten auf weniger UV-belastete Wetterlage verlagern
  • Regelmäßige ggf. zusätzliche Pausen im Schatten einräumen,
  • Meidung der Zeit des Sonnenhöchststandes für Arbeiten im Freien,
  • Bereitstellung von Getränken z.B. stilles Mineralwasser (bis zu vier Liter Trinken) und Obst, wie Wassermelonen bzw. Gemüse z.B. in Form eines Gurken-/oder Tomatensalates,
  • Arbeitsbeginn, v.a. für schwerere Tätigkeiten, in die frühen Morgenstunden verlegen,
  • Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten. Überstunden in der Sonne vermeiden,  Pausenzeiten in die Mittagszeit verlegen,

Erste Anzeichen wie hochroter Kopf, Übelkeit und Schwindel, Erbrechen, steifer Nacken, Fieber sofort dem Vorgesetzten oder besser zuerst dem Ersthelfer vor Ort melden.

Wichtig ist, die Beschäftigten über Gefahren von UV-Strahlung und angemessene Schutzmaßnahmen zu informieren.

Neben technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen sind auch persönliche Maßnahmen wie

  • Lichtdichte, dunklere und trockene Arbeitskleidung, z. B. in grün, rot oder schwarz bzw. UV-Sonnenschutzkleidung benutzen (in die Bekleidungskultur des Unternehmens etablieren!)
  • Gut belüftbare Kopfbedeckung (Schutzhelm ggf. mit Nackenschützer oder Hut mit breiter Krempe mit ausreichendem Schutz für Nacken und Ohren
  • Passgenaue Sonnenbrille mit seitlicher Abschirmung der Augen (CE-Kennzeichen, UV 400) besonders bei Reflexionen durch Wasser, Sand, Glas (oder Schnee) – DIN EN 1836 – i.d.R. Filterkategorie 2-3 (DIN EN 166/ DI EN 172); dabei individuelle Sehstärke berücksichtigen)
  • Hochwirksames, wasserfestes (Schweißbildung!) Lichtschutzpräparat (EU-konform) mit Lichtschutzfaktor (LSF) größer 30, besser 50+, für unbedeckte Hautpartien, sog. „Sonnenterassen“ (Handrücken, Nase, Lippen, Ohren) und Wirksamkeit im UVA-Bereich großzügig auf die freien Hautpartien (v.a. Nacken, Schultern, Handrücken, Gesicht, Arme, Beine, freie Kopfhautbereiche) auftragen (30 min. vor Sonnenexposition auftragen und alle 2 Stunden erneuern!)
  • After Sun Pflege (Lotion/Gel) ggf. nutzen

Hinweise:

  • Bedenken, dass die Häufigkeit des Eincremens sich erhöht, wenn es sich nicht um ein wasserfestes Produkt handelt und der LSF abnimmt, wenn dasselbe angebrochene Produkt noch auch im Folgejahr verwendet wird.
  • Der Lichtschutzfaktor (LSF) bezieht sich immer auf den individuellen Hauttyp und nur auf die UV-B Strahlung
  • Medikamenteneinnahme kann zu fotosensibilisierenden Nebenwirkungen (u. a. Hautflecken) führen.

Hautkrebserkrankungen nach beruflicher UV-Exposition sind seit dem 01.01.2015 in der Liste der Berufskrankheiten aufgenommen worden ("aktinische Keratosen" - Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms-, sowie das Plattenepithelkarzinom). Anhand von Studien konnte allerdings belegt werden, dass für diese Beschäftigten ein signifikant höheres Risiko für Plattenepithelkarzinome (Langzeitschäden) der Haut bestehen. Die stärkste kanzerogene Wirkung hat die UVB-Strahlung. Sie wird für die Entstehung von Basalzellkarzinomen und Plattenepithelkarzinomen sowie für die Suppression der immunologischen Tumorabwehr und für die Bildung maligner Melanome verantwortlich gemacht.

Neben körperbedeckender Kleidung, Helm mit Nackenschutz und Sonnenbrille können Sonnenschutzmittel in Ergänzung zu anderen Schutzmaßnahmen (wie z. B. ein Sonnensegel) unbedeckte Stellen vor Sonnenbrand und Hautkrebs bewahren.

Sonnenstrahlung als Gefährdungsfaktor wahrnehmen

Als Arbeitgeber müssen Sie diese Gefährdungen von Beschäftigten bei Arbeiten im Freien durch Sonnenstrahlung in der Gefährdungsbeurteilung bewerten (2/3 der Strahlung aufgrund des Einfallwinkels zwischen 10.00 – 14.00 Uhr) und geeignete Maßnahmen einleiten, um ihren Beschäftigten angemessene Schutzmaßnahmen vor langfristigen Hautschäden anzubieten. Dabei ist der richtige Umgang mit erhöhter natürlicher UV-Strahlungsexposition ein wichtiges Thema im Rahmen der jährlich durchzuführenden Unterweisung. Wichtig ist dabei darauf hinzuweisen, dass auch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen bieten können.

Einteilung der UV-Hauttypen in Abhängigkeit von der Sonnenempfindlichkeit

Anmerkung: Sonnenallergiker benötigen in der Regel eine Sonnenschutzcreme mit einem LSF 50+
Beschäftigte, die häufig oder ständig im Freien arbeiten, sollten im besonderen Maße dazu motiviert werden, alle 2 Jahre an der kostenfreien Hautkrebsfrüherkennung für Versicherte ab dem 35. Lebensjahr teilzunehmen, die seit dem 01.07.2008 von speziell geschulten Dermatologen und Hausärzten oder auch im Rahmen der betriebsärztlichen Betreuung durchgeführt wird. Dabei sollten u.a. die Themen: Individueller Hauttyp (1,2,3,4), verschiedene Darreichungsformen (Gel, Creme, Spray), Grad des Schutzfaktors in Abhängigkeit vom Alter, Sonnenallergiedisposition sowie regelmäßige Eigenkontrolle und bewussten Umgang mit der Sonne in der Freizeit auf Hautveränderungen besprochen werden.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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