Dauphin auf der A+A 2017: Ganzheitliche Ergonomie-Konzepte für den Industriearbeitsplatz

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Neues Faktenblatt der BAuA veröffentlicht | 02.11.2021

Führungskräfte in Unternehmen müssen hohen Arbeitsanforderungen gerecht werden. Dabei steigt die Intensität der Aufgaben meist mit der Anzahl der Beschäftigten, die ihnen unterstehen. Zwar stehen Führungskräften insgesamt mehr Handlungsspielräume zur Verfügung als normalen Beschäftigten ohne Führungsverantwortung, trotzdem können sich die hohen Anforderungen negativ auf ihre Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden auswirken.

Die Bundesanstalt für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin (BAuA) hat nun ein Faktenblatt veröffentlicht, das die wichtigsten Ergebnisse einer Auswertung von Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 mit rund 13.000 Befragten, die in Vollzeit arbeiten, erläutert. Im Mittelpunkt steht dabei, welchen Arbeitsbedingungen, Ressourcen und gesundheitlichen Beschwerden Beschäftigte mit und ohne Führungsverantwortung ausgesetzt sind. Darüber hinaus wurde ermittelt, welche Rolle die Anzahl der zu führenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern spielt. 

 

Die Rolle der Führungskraft

Vergleicht man die Arbeitsintensität von Beschäftigten ohne Führungsposition mit denen von Führungskräften, gibt es einige Unterschiede, die übergreifend festgestellt werden können. Demnach müssen Führungskräfte im Vergleich zu Beschäftigten

  • häufig sehr schnell handeln,
  • verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreuen,
  • unter starkem Termin- oder Leistungsdruck handeln und
  • an der Grenze der Leistungsfähigkeit arbeiten.

Führungskräfte werden häufiger bei der Arbeit gestört oder unterbrochen und diese Tendenz nimmt mit der Zahl der unterstellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch zu. Dabei ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass das Verhalten von Führungskräften in direktem Zusammenhang mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Beschäftigten steht. Dies hat schlussendlich auch Einfluss auf die im direkten Bezug stehenden Beschäftigten. Laut dem Faktenblatt ist dann auch eine günstige Arbeits- und Gesundheitssituation bei den Beschäftigten wahrscheinlicher, wenn auch die Führungskraft diese Situation positiv wahrnimmt. 

 

Ressourcen von Führungskräften

Eine Möglichkeit, um dem hohen Anforderungen entgegenzutreten, ist die Bereitstellung arbeitsbezogener Ressourcen. Dabei berichten beispielsweise Führungskräfte mit größerer Führungsspanne von einem größeren Maß an Handlungsspielraum: Führungskräfte, denen ein bis zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstehen, berichten in 71 % der Fälle, dass sie ihre Arbeit selbstständig planen und zeitlich festlegen können. Führungskräfte mit mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelingt dies bereits zu 80 %. Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gibt es auch in Bezug darauf, ob die Führungskräfte selbstständig entscheiden können, wann sie Pausen machen und welcher Workload übernommen wird.

 

Gesundheitliche Situation von Führungskräften

Die gesundheitliche Situation von Führungskräften zeichnet sich in erster Linie über die Betrachtung von psychosomatischen Beschwerden ab. Dazu gehören beispielsweise

  • Verdauungsbeschwerden,
  • Kopfschmerzen,
  • Erschöpfung,
  • Müdigkeit,
  • Schlafstörungen.

Insbesondere dann, wenn längere Zeit an der Grenze der Leistungsfähigkeit gearbeitet wird, können psychosomatische Beschwerden auftreten. 71 % der Führungskräfte, die häufig an dieser Grenze arbeiten, nennen drei oder mehr der oben aufgeführten Beschwerden. Bei den Beschäftigten, die häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck stehen, nennen 53 % der Befragten Beispiele aus den genannten Beschwerden. Bei den Führungskräften, die häufig mehrere Arbeiten gleichzeitig betreuen müssen, oder Störungen und Unterbrechungen ausgesetzt sind, ist es ungefähr die Hälfte. Sind Führungskräfte hingegen manchmal oder selten den genannten Arbeitsbedingungen ausgesetzt, treten insgesamt weniger psychosomatische Beschwerden auf.

 

Fazit

Die Anforderungen an Führungskräfte sind vielfältig und je nachdem, welcher wirtschaftliche Zweig untersucht wird, unterscheiden sich auch die Anforderungen an Führungskräfte. Der Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen, Ressourcen und gesundheitlichen Beschwerden steht dabei jedoch losgelöst von der jeweiligen Branche. Die Gesunderhaltung der Führungskraft spielt dadurch auch im größeren Kontext eine Rolle, da sie sich auch auf das Führungsverhalten gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern niederschlägt und eine gesunde Führung stark beeinträchtigen kann. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, dass Unternehmen den Gesundheitszustand ihrer Führungskräfte in den Blick nehmen, um eine gesunde Arbeitskultur zu erhalten und zu fördern.

 

Quelle: ls | www.baua.de

 

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