Erst Helfer retten Leben – Aus- und Fortbildung im Blick behalten

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Ersthelfer retten Leben – Aus- und Fortbildung im Blick behalten | 10.01.2018

In der Großstadt benötigt ein Rettungswagen zu einem Notfallort in über 90% der Fälle weniger als acht Minuten, auf dem Land sollen es weniger als zwölf Minuten sein, was sich oftmals nicht realisieren lässt. Leider wird lediglich nur in etwa 20% der Notfälle der Rettungsdienst überhaupt gerufen.

Die Zeit bis der Rettungsdienst nach einem Anruf, eintrifft und den Fall übernimmt, muss Erste Hilfe geleistet werden. Ohne Erste Hilfe sinkt die Überlebenszeit um 10% pro Minute.

Erste Hilfe im Betrieb sind medizinische, organisatorische und betreuende Maßnahmen an Erkrankten oder Verletzten mit einfachen Mitteln unter Einbeziehung des Notrufs. Helfen kann nur, wer erkennen kann, welche Maßnahmen notwendig sind und diese auch beherrscht, also ausgebildet ist.

Eine Notfallindikation liegt beispielsweise vor bei:

  • Kreislaufzusammenbruch,
  • einem epileptischen Anfall,
  • Schockreaktion,
  • Schlaganfall,
  • Unterzuckerung,
  • Verletzung,
  • Autounfall,
  • Vergiftung,
  • Stromunfall

Bei medizinischen Notfällen im Betrieb ist die Rate der Notfallmeldung sicher höher, aber auch hier gilt: Nicht erstarren und warten, sondern handeln! Im Zweifel sollten sich betriebliche Erst-Helfer nicht darauf einlassen, dass Verunfallte im Betrieb selber mit ihrem PKW nach Hause fahren oder weiterarbeiten wollen. Auch sollten sich betriebliche Erst-Helfer bei einem Notfall nicht dazu verleiten lassen, auf Wunsch des/der Betroffenen, selber ins Krankenhaus zu fahren, insbesondere nicht bei Verdacht auf Schlaganfall (Sprachstörungen, hängender Mundwinkel, Sehstörungen) der Herzinfarkt. Medikamente, die der Betroffene benötigt, dürfen aus rechtlicher Sicht lediglich angereicht werden, der Betroffene müsste diese selber einnehmen.

Unternehmer haben dafür zu sorgen, dass für die Erste-Hilfe-Leistung Ersthelfer mindestens in folgender Zahl zur Verfügung stehen:

  • bei zwei bis zu 20 anwesenden Versicherten ein Ersthelfer
  • bei mehr als 20 anwesenden Versicherten
    • in Verwaltungs- und Handelsbetrieben 5 %,
    • in sonstigen Betrieben 10 %,
    • in Kindertageseinrichtungen ein Ersthelfer je Kindergruppe,
    • in Hochschulen 10 % der Versicherten nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 Sozialgesetzbuch SiebtesBuch (SGB VII).

Es ist aber besser, wenn es mehr betriebliche Erst-Helfer gibt als vorgeschrieben, um die betriebliche Rettungskette sicherzustellen. Grundsätzlich sollte jeder Beschäftigte neben der Eigensicherung zumindest die Herzdruckmassage (ohne Beatmung) beherrschen!

Die Ausbildung und Fortbildung zum Ersthelfer im Betrieb umfassen seit 1. April 2015 jeweils 9 Unterrichtsstunden. Seit Anfang 2006 dürfen Aus- und Fortbildungen von Ersthelfern im Betrieb nur von geprüften und als geeignet anerkannten Stellen durchgeführt werden.

 

 

Für die Sicherstellung der Funktion eines firmeneigenen Defibrillators (AED) ist ein Beauftragter nach dem Medizinproduktegesetz zu benennen. Allerdings gilt immer der Grundsatz: Wiederbelebung geht vor dem Einsatz eines Defibrillators.

Was immer richtig und wichtig ist! Erste Hilfe – Basismaßnahmen

  • Ein Schock, der durch eine Allergie, Volumenmangel (Flüssigkeitsverlust) oder psychischen Gründen entstanden ist, stellt eine lebensbedrohliche Kreislaufstörung dar.
  • Bei Verstauchungen/Prellungen gilt die sog. PECH-Regel, die 4 Maßnahmen beinhaltet (Pause/Eis/Compresse/Hochlegen)
  • TROST: Die 4-S-Regel:
    • SAGE, dass Du da bist und dass etwas geschieht
    • SCHIRME den Betroffenen von Zuschauern ab
    • SUCHE vorsichtigen Körperkontakt.
    • SPRICH und höre zu.
  • Eine Schnittwunde, die klaffend und größer als 1cm ist, sollte in jedem Fall ärztlich versorgt werden.
    • Bei Verdacht auf Schlaganfall gilt die sog. FAST-Regel (face/arms/speach/time) als Schnell-Check, das bedeutet kurze Kontrolle der Gesichtsmimik

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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