Neuer SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard

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Der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard: Arbeitsschutz während der Pandemie | 04.03.2021

Mit der Veröffentlichung des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gelten neue Arbeitsschutzvorgaben, die von allen Unternehmen und Einrichtungen umgesetzt werden müssen. Da es viele Parallelen zwischen den Anforderungen von Arbeitsschutzstandard und der im August erstmals veröffentlichten Arbeitsschutzregel gab, wurde der Arbeitsschutzstandard zum Ende des Jahres 2020 entsprechend angepasst.

Sowohl der überarbeitete Arbeitsschutzstandard als auch die Arbeitsschutzregel wurden am 22.02.2021 im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBI.) Nr. 11 veröffentlicht. Durch die Aktualisierung werden beide zentrale Regelwerke zum betrieblichen Infektionsschutz klarer gefasst und besser auf einander abgestimmt, wobei insbesondere der Arbeitsschutzstandard die Aufgaben der beteiligten Kreise und Stellen klarer fasst.

Was ist der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard?

Der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard beinhaltet zusätzliche Infektionsschutzmaßnahmen zum Schutz vor dem SARS-CoV-2-Erreger und ergänzt die bereits bestehenden Arbeitsschutzvorgaben um zeitlich befristete neue Regelungen.

Wozu gibt es den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard?

Der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard soll Infektionen am Arbeitsplatz eindämmen und die Gefahr der Ansteckung senken.

Welches Ziel hat der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard?

Der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard hat das Ziel, die Infektionsketten zu unterbrechen und die Gesundheit von Beschäftigten zu sichern, damit die wirtschaftliche Aktivität während der Pandemie in den Unternehmen wiederhergestellt und mittelfristig eine andauernd flacher Verlauf der Infektionskurve erreicht werden kann.

Wer muss den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard umsetzen?

Die Verantwortung für die Umsetzung notwendiger Infektionsschutzmaßnahmen trifft alle Arbeitgeber. Grundlage für die Umsetzung der zusätzlichen Maßnahmen sind die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung bzgl. der Ansteckungsgefahren vor dem SARS-CoV-2-Erreger.

Welche Maßnahmen müssen zusätzlich umgesetzt werden?

Die konrekten Regelungen, die im Zuge des Infektionsschutzes am Arbeitsplatz beachtet werden müssen, sind in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel abgefasst. Die nachfolgende Auflistung stellt daher nur einen Ausschnitt der relevanten Maßnahmen dar.

 

I. Besondere technische Maßnahmen

  • Arbeitsplatzgestaltung
    Arbeitsplätze müssen so gestaltet werden, dass ein ausreichender Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen eingehalten wird. Dort wo ein Mindestanstand von mindestens 1,5 Metern nicht möglich ist. müssen andere, alternative Schutzmaßnahmen ergriffen werden (Schutzausrüstung, transparente Abtrennungswände etc.).

    Wo immer möglich, sollten Büroarbeiten im Homeoffice ausgeführt werden. Dort wo Homeoffice nicht möglich ist, sind die freien Raumkapazitäten so aufzuteilen und die vorhandenen Arbeitsplätze so zu nutzen, dass es keine Mehrfachbelegungen von Räumen gibt. Dort wo Mehrfachbelegungen nicht vermieden werden können, muss ein ausreichender Schutzabstand von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein
  • Lüftung
    Durch regelmäßiges Lüften soll die Anzahl der möglicherweise in der Luft vorhandenen erregerhaltigen, feinen Tröpfchen und damit die Ansteckungsgefahr reduziert werden. Es gilt dabei Ausrichtung nach der AHA+L-Regelung (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften), die auch im der Arbeitsschutzregel noch genauer konkretisiert wird.

II. Besondere organisatorische Maßnahmen

  1. Ausreichender Schutzabstand
    Der Schutzabstand von mindestens 1,5 Metern muss überall gewahrt bleiben. Das betrifft sämtliche Bereiche des Betriebsgeländes, wie z. B. die Nutzung von Verkehrswegen, Treppen, Türen, Aufzüge, Küchen, Kantinen, Werkzeug- und Materialausgaben, Zeiterfassung etc.). Um eine Einhaltung sicherzustellen, sollen ggfls. Schutzabstände für Steh- und Warteflächen durch Klebeband markiert werden.

    Ist der Schutzabstand von mindestens 1,5 Metern technisch wie organisatorisch nicht gewährleistet, ist das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen vorzusehen.

  2. Arbeitsmittel/Werkzeuge
    Vorübergehend ist eine personenbezogene Nutzung der Arbeitsmittel und Werkzeuge vorzusehen. Wo dies nicht möglich ist, ist das Tragen von geeigneten Schutzhandschuhen vorzusehen, sofern hierdurch nicht weitere Gefahren entstehen (z. B. Erfassen durch rotierende Teile).

  3. Arbeitszeit- und Pausengestaltung
    Versetzte Arbeits- und Pausenzeiten sowie ggfls. Schichtbetrieb sollen dafür genutzt werden, um die Belegungsdichte von Arbeitsbereichen zeitlich zu entzerren. Beim Aufstellen der Schichtpläne sollen möglichst dieselben Personen immer einer gemeinsamen Schicht zugeteilt werden, um die innerbetrieblichen Personenkontakte so gering wie möglich zu halten.

III. Besondere personenbezogene Maßnahmen

  1. Mund-Nasen-Schutz und PSA
    Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist zu empfehlen. Insbesondere dort, wo persönlicher Kontakt und das Unterschreiten des Sicherheitsabstands von 1,5 Metern nicht vermieden werden kann. Für Arbeiten in besonders gefährdeten Bereichen ist PSA zur Verfügung zu stellen.

  2. Unterweisung und innerbetriebliche Kommunikation
    Es ist sicherzustellen, dass die zusätzlichen Maßnahmen, die sich aus dem neuen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard ergeben, an alle Beschäftigten unter Beachtung und Einhaltung der Kontaktbeschränkungen kommuniziert wird. Zur Einhaltung sind alle Schutzmaßnahmen und Hinweise ausreichend und verständlich zu erklären. Durch Unterweisung der Führungskräfte soll der Informationsfluss an alle Beschäftigten, die Handlungssicherheit und die Kontrolle gewährleistet werden.

  3. Arbeitsmedizinische Vorsorge
    Den Beschäftigten sind arbeitsmedizinische Vorsorgeangebote zu unterbreiten, die helfen, die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzumildern und zu bewältigen. Beschäftigte können sich zudem individuell vom Betriebsarzt beraten lassen, um geeignete Vorschläge für Schutzmaßnahmen vor besonderen Gefährdungen, Ängsten und psychischen Belastungen zu erhalten. Beratungen sollten, wenn möglich, bevorzugt telefonisch erfolgen. Der Arbeitgeber erfährt hiervon nur mit ausdrücklicher Zustimmung der betreffenden Person.

Da davon ausgegangen werden muss, dass die Pandemie noch über einen längeren Zeitraum anhalten und zu Einschränkungen führen wird, wird das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen zeitlich befristeten Beraterkreis „Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz zur Prävention von SARS-CoV-2“ einrichten, um zeitnah und koordiniert auf die weitere Entwicklung der Pandemie zu reagieren und ggf. notwendige Anpassungen am vorliegenden Arbeitsschutzstandard vornehmen.

 

Quelle: kab | www.bmas.de

 

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