Corona – Arbeitsschutzmaßnahmen im Büro

© Maridav/stock.adobe.com

Corona – Arbeitsschutzmaßnahmen im Büro | 09.06.2020

Der beste Schutz vor einer Infektion mit dem Corona-Virus ist und bleibt es, soziale Kontakte zu meiden. Doch viele Mitarbeiter müssen inzwischen wieder ins Büro, da für sie Home-Office auf Dauer keine Lösung ist. Lesen Sie hier welche Arbeitsschutzmaßnahmen Sie unbedingt ergreifen sollten.

Rückkehr zur Normalität

Langsam aber sicher kehren in einigen Branchen wieder mehr Mitarbeiter zurück ins Büro und reduzieren ihre Arbeit im Home-Office. Der Wunsch, in den Normalbetrieb zurückzukehren, ist bei vielen Betrieben groß – will man nach den Lockerungen nun doch versuchen, den Umsatzrückgang aufzuholen oder zumindest das Schlimmste abzufangen. Doch an einen normalen Arbeitsalltag im Büro ist noch lange nicht zu denken. Für die Arbeit vor Ort im Betrieb muss das Infektionsrisiko für alle so gering wie möglich gehalten werden.

Problem

Seit den 70er Jahren haben sich in Deutschland zunehmend Mehrpersonenbüros (bis 6 Personen), Gruppenbüros (bis 25 Personen) und Großraumbüros etabliert. Diese Bürotypen sind aus Sicht des Arbeitsschutzes ohnehin schon umstritten, doch während der Corona-Krise offenbaren sich jetzt endgültig die großen Nachteile. Mehrere Mitarbeiter sitzen auf engem Raum, der oft schlecht belüftet ist und müssen dort aus beruflichen Gründen ständig sprechen.

Vorsorgemaßnahmen von Arbeitgebern

Laut §3 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) hat jeder Arbeitgeber gegenüber seinen Arbeitnehmern eine Schutz- und Fürsorgepflicht. Während der Corona-Krise bedeutet das konkret: Der Arbeitgeber muss seine Beschäftigten so gut wie möglich vor einer Ansteckung schützen. Er ist verpflichtet, seine Mitarbeiter über einzuhaltende Hygienemaßnahmen zu unterweisen und diese einzuhalten. Dabei muss er sich an den im April veröffentlichten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard orientieren.

Mitbestimmung durch den Betriebsrat

Falls noch nicht geschehen, muss der Betriebsrat gemeinsam mit dem Arbeitgeber schnellstmöglich Maßnahmen zum Gesundheitsschutz vereinbaren. Bei der Auswahl der Maßnahmen hat der Betriebsrat (gemäß §87 (1) BetrVG und §3 ArbSchG) Initiativrecht und ist sogar verpflichtet, etwas zu tun, falls der Arbeitgeber untätig ist. Dafür ist es im Vorhinein sehr wichtig, die Gefährdung zu beurteilen, denn das Ansteckungsrisiko ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich.

Mindestabstand im Büro

Zwischen zwei Beschäftigten muss zu jeder Zeit ein Mindestabstand von 1,5 – 2m bestehen. Darüber hinaus gilt es, die ASR A1.2 „Raumabmessung und Bewegungsflächen“ zu beachten. Das kann in manchen Fällen ganz einfach durch Verrücken von Schreibtischen geschehen. Wo das nicht möglich ist, können Trennwände zwischen Schreibtischen aufgestellt werden oder Arbeitsplatzwechsel in leerstehende Büros vorgenommen werden. Sollte es nicht durchführbar sein, den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten (z. B. bei Fahrten in einem Auto), haben die Arbeitnehmer eine Atemschutzmaske zu tragen. Diese sollten vom Betrieb zur Verfügung gestellt werden.

Hygienevorschriften

Grundsätzlich gelten im Büro natürlich, so wie überall anders auch, die typischen Hygienevorschriften (z. B. richtige Niesetikette, regelmäßig Händewaschen usw.). Um es sich so einfach wie möglich zu machen, laden sie sich am besten unseren Aushang „Hygiene Coronavirus“ herunter.

Handlungsempfehlungen & Tipps fürs Büro

Vor allem für besonders schutzbedürftige Beschäftigte (z. B. Menschen mit Vorerkrankung) ist es sehr wichtig, dass sie sich am Arbeitsplatz nicht infizieren. Das ist z. B. durch eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen oder durch einen Wechsel des Arbeitsplatzes in ein Einzelbüro sicherzustellen. Gibt es keine Möglichkeit, dass der Schutzbedürftige ohne direkten sozialen Kontakt seine Arbeit verrichtet, ist er laut §4 ArbSchG nach dem Gutachten eines Betriebsarztes von der Arbeit freizustellen. Die Kosten hierfür muss der Arbeitgeber übernehmen.

Es gilt, die Stoßzeiten (wie z. B. Zusammentreffen im Pausenraum) zu entzerren. Der Arbeitgeber hat durch versetzte Arbeits- und Pausenzeiten sicherzustellen, dass der Sicherheitsabstand zwischen den Personen zu jeder Zeit eingehalten werden kann.

Nach den bisherigen Erkenntnissen wird das Corona-Virus nicht nur direkt von Mensch zu Mensch übertragen, sondern überlebt auch eine ganze Weile auf vielen Flächen. Aus diesem Grund hat der Arbeitgeber durch einen entsprechenden Reinigungsplan zu gewährleisten, dass Flächen am Arbeitsplatz, die oft berührt werden, täglich gereinigt und zu desinfiziert werden. Wenn mehrere Arbeiter an einem Platz arbeiten, müssen die Hygienemaßnahmen auch zwischen den Schichtwechseln erfolgen. Grundsätzlich gilt aber zu beachten, dass „Desk Sharing“ zu Zeiten von Corona unbedingt vermieden werden solle.

Doch bei den Corona-Infektionen spielen auch Aerosole eine bedeutende Rolle. Das ist ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen – wie Partikel von Sars-CoV-2 – in der Luft. Um diese Art der Ansteckung so gering wie möglich zu halten, ist es bedeutend, in den Büros regelmäßig Durchzug durch Lüften und offene Türen zu schaffen.

Für Besprechungen und Meetings sollten wenn möglich digitale Wege organisiert werden. Der persönliche Kontakt sollte nur dann stattfinden, wenn er unabdingbar ist und auch dann nur mit einer Schutzmaske.

In diesem Sinne – bleiben Sie gesund!

 

Quelle: sh

 

Produktempfehlung

sicherheitshandbuch auf cd-romSicherheitshandbuch auf CD-ROM

Das Praxishandbuch mit CD-ROM liefert praxisnahe Handlungsempfehlungen, Umsetzungshilfen und Arbeitshilfen, um die gesetzlichen Anforderungen an einen sicheren Arbeitsschutz einfach zu erfüllen und dies lückenlos nachzuweisen.

>> mehr Informationen

Rechtsvorschriften

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

ASR A1.2 – Raumabmessungen und Bewegungsflächen

Für PREMIUM-User ist der Zugriff auf alle Rechtsvorschriften frei.

Kostenlos_fuer_Premium_Kunden Sie sind noch kein PREMIUM-User?

>> Mehr Informationen

Mehr zum Thema

Neue bundesweite Arbeitsschutzregeln zum Schutz vor Corona bekanntgegeben

Kostenlose Handlungshilfen und Vorlagen der DGUV zur Corona-Pandemie

Corona-Pandemie kann psychisch belasten