sars-cov-2-arbeitsschutzregel

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SARS-CoV-2 – Schutzstandard für die Kindertagesbetreuung 

Durch die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ergeben sich neue Rahmenbedingungen für viele Arbeitsbereiche. In der Folge wurden branchenspezifische Konkretisierungen der gesetzlichen Unfallversicherung erstellt. Der "SARS-CoV-2-Schutzstandard Kindertagesbetreuung" ist auf die besonderen Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung zugeschnitten.  

Durch bestimmte Schutzmaßnahmen soll die Gesundheit von Beschäftigten in der Kindertagesbetreuung und von selbstständig tätigen Tagespflegepersonen, von Kindern und sonstigen Personen bei der weiteren Öffnung der Kindertagesbetreuung bis hin zum Regelbetrieb gesichert werden. Ein Auszug der Inhalte ist nachfolgend dargestellt. 

Arbeitsplatzgestaltung

Wie an allen Arbeitsstätten gilt auch in Kitas die Einhaltung der Abstandsvorgaben von mind. 1,5 m zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Erziehungsberechtigten und sonstigen Erwachsenen. In Bereichen mit Publikumsverkehr wie dem Eingangsbereich bieten sich Bodenmarkierungen sowie Hinweisschilder an. Weiterhin können auch transparente Abtrennungen bspw. aus Plexiglas an Empfangstheken angebracht werden.

Gemeinschaftsräume, Sanitärräume und Pausenräumen

Es soll die regelmäßige Reinigung der Oberflächen und (Hand-) Kontaktflächen wie Türklinken und Handläufen erfolgen. Für die routinemäßige Reinigung bietet sich die Anwendung von fettlösendem Handhaltsreiniger an. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass keine routinemäßigen Flächendesinfektionsmaßnahmen erforderlich seien. Für die Reinigung und Hygiene der Hände sind hautschonende Flüssigseifen und Einmalhandtücher (aus Papier) bereitzustellen. In Pausenräumen sollten die die Abstandsregeln zwischen den Beschäftigten eingehalten werden.

Lüftung

Um die Zahl von möglicherweise virenbelasteten Aerosolen in der Luft möglichst gering zu halten, sollte mehrmals täglich gelüftet werden, idealerweise mind. 4x täglich für 5 bis 10 Minuten. Das Übertragungsrisiko durch RLT-Anlagen wird grundsätzlich als gering eingestuft, wenn diese durchgehend laufen. Es wird nicht geraten, die Anlage zwischendurch abzuschalten, da sind dadurch die Konzentration an Aerosolen wieder erhöht und das Infektionsrisiko steigt. Die Außenluftvolumenströme sollten einen möglichst großen Anteil ausmachen.

Besondere organisatorische Maßnahmen

Abstandsgebot

Abgesehen von den allgemeinen Vorgaben, die für Erwachsene gelten, kann man für die pädagogische Arbeit mit Kindern keine Einhaltung des Mindestabstands erwarten, da diese (auch in Abhängigkeit vom Alter) auf Nähe und Körperkontakt nicht verzichten können. Mit der Betreuung einher geht enger Körperkontakt, z.B. bei der Pflege, Trösten und allgemein zur Beziehungs- und Bindungssicherheit.

Gestaltung von Gruppen

Kinder sollten möglichst in kleinen und festen Gruppen und vom gleichen Personal betreut werden, offene Betreuungskonzepte müssen gemäß den neuen Vorgaben angepasst werden. Eine zeitgleiche Nutzung von Mehrzweckräumen, Schlafräumen und Spielfluren sollte nicht stattfinden. 

Übergabe von Kindern

Begleitpersonen bzw. Erziehungsberechtigte sollten die Kindertageseinrichtung nach Möglichkeit nicht betreten, sofern es die emotionale Situation zulässt. Die Übergabe sollte immer nur durch eine einzelne Person erfolgen, die auf jeden Fall den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 m zu den Beschäftigten einhält, auch bei etwaigen Gesprächen. Sonstige Gespräche sollten auf technischem Weg stattfinden. 

Personaleinsatz

Beim Einsatz von Personal muss darauf geachtet werden, dass immer ausreichend Personen zur Betreuung zur Verfügung stehen, wobei Risikogruppen mit einem Verdacht auf einen möglichen schweren Krankheitsverlauf bedacht werden müssen. Darüber hinaus sollten Personen berücksichtigt werden, die zu Hause pflegebedürftige Angehörige mit Grunderkrankungen betreuen. Die Träger der Einrichtungen können sich hierzu von den Betriebsärzten beraten lassen.

Besondere Hygienemaßnahmen

Wie in allen Einrichtungen müssen auch Kindertageseinrichtungen über einen Hygieneplan (Reinigungs- und Desinfektionsplan) verfügen, in dem alle Maßnahmen zur Infektionshygiene festgelegt sind und auch die Frequenz der Maßnahmen dargestellt ist. Daneben gilt es in besonderem Maß die hygienerelevanten Bereiche wie Küche, Gemeinschaftsräume, Sanitärräume und Pausenräume zu prüfen. Evtl. sind ergänzende Maßnahmen erforderlich, die mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden müssen. Die jeweiligen Landesgesundheitsbehörden stellen i.d.R. auch Muster-Reinigungs- und Desinfektionspläne bereit. 

Arbeitsmittel und Gebrauchsgegenstände

Arbeitsmittel wie auch Besteck und Geschirr werden nur durch jeweils 1 Person verwendet, gemeinsam genutzte Arbeitsmittel wie Telefon oder Tastatur sollen regelmäßig mit fettlöslichen Haushaltsreinigern gereinigt werden. Spielzeuge etc. sollten gruppenbezogen verwendet werden und bedarfsgerecht gereinigt werden.

Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle

Kinder mit Symptomen einer Atemwegsinfektion dürfen nicht betreut werden, bzw. müssen so schnell wie möglich von Erziehungsberechtigten abgeholt werden. Sofern Symptome wie Fieber, Husten und Atemnot, Geschmacks- und Geruchsstörungen auftreten, dürfen die Kinder und Beschäftigen bis zur medizinischen Abklärung nicht in die Einrichtung. Dies gilt auch im Fall, dass Haushaltsmitglieder der Beschäftigten oder der Kinder Krankheitssymptome aufweisen.

Sollte eine COVID-19-Erkrankung nachgewiesen werden, ist umgehend das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, um weitere Maßnahmen zu bestimmen. Bei einem positiven Testergebnis muss das betroffene Kind 14 Tage in Quarantäne.

Personenbezogene Maßnahmen – Mund-Nase-Bedeckungen

Da die Gefahr eines unsachgemäßen Gebrauchs der Masken unter Kindern wahrscheinlich ist (durch Spiel, Tauschen und ins Gesicht fassen) sind diese nicht zu empfehlen. Unter Erwachsenen sind MNB vorgesehen, sobald der Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann.

Sollte der Mindestabstand nicht eingehalten werden können, wird auch im Umgang mit Kindern das Tragen einer MNB empfohlen. Die Träger und die pädagogischen Fachkräfte sollen dabei Lösungen entwickeln, inwiefern dies möglich ist. Bei pflegerischen Maßnahmen (Wickeln, Erste-Hilfe-Maßnahmen) ist das Tragen einer MNB für Beschäftigte empfohlen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung evtl. besonders gefährdeter Kinder.

Unterweisung, aktive Kommunikation mit Eltern und sonstigen Personen sowie Kindern

Die Träger der Einrichtung bzw. die verantwortlichen Personen sind dafür zuständig, dass die Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln an die Erziehungsberechtigten u.a. durch Hinweisschilder und Aushänge vermittelt werden. Auf Seite 10 des SARS-CoV-2-Schutzstandard Kindertagesbetreuung finden sich Links zu unterstützenden Medien und Informationen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutz besonders gefährdeter Personen

Beschäftigte können sich individuell von der Betriebsärztin bzw. dem Betriebsarzt beraten lassen, auch in Bezug auf mögliche Vorerkrankungen und individuelle Dispositionen. Die Ärzte können dann geeignete Maßnahmen vorschlagen, sollten die normalen Arbeitsschutzmaßnahmen nicht ausreichen. Auch ein Tätigkeitswechsel kann eine Option sein. Eltern von Kindern, die chronische Vorerkrankungen oder Behinderungen haben, wird empfohlen, Kontakt zum zuständigen Kinderarzt aufzunehmen und sich im Hinblick auf die der Kindertagesbetreuung beraten zu lassen.

Quellen: ls | www.publikationen.dguv.de

 

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