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DGUV Information 206-030 Psychische Belastungen

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DGUV Information 206-030: Umgang mit psychisch beeinträchtigten Beschäftigten  Handlungsleitfaden für Führungskräfte

Psychische Störungen gehören mittlerweile zu den häufigsten Diagnosen für Arbeitsunfähigkeit und sind mitunter Grund für ein krankheitsbedingtes vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben. Mit steigender Arbeitsintensität, beschleunigtem Arbeitshandeln sowie Zeitdruck, unter welchem Arbeitsaufgaben erledigt sein müssen, rückt das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses.

Die DGUV hat nun mit der neuen „Information 206-030: Umgang mit psychisch beeinträchtigten Beschäftigten“ einen Handlungsleitfaden für Führungskräfte entwickelt, der Tipps zum Erkennen von psychischen Beeinträchtigungen von Beschäftigten bietet und Hilfestellungen für die Vorbereitung und Durchführung von Gesprächen mit den Betroffenen gibt.

Führungskräfte sind zunehmend in der Verantwortung, gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen und sozialkompetentes Führungsverhalten zu leben. Gleichzeitig obliegt es ihnen, rechtzeitig auf Anzeichen einer Veränderung im Leistungs- und Sozialverhalten der Beschäftigten zu reagieren und Hilfe anzubieten.

Erkennen von psychischen Beeinträchtigungen

Häufige Störungen sind bspw. Angsterkrankungen, affektive Störungen wie Depressionen oder Abhängigkeit von psychotropen Substanzen wie Alkohol oder Drogen. Je nachdem, welche Form der Beeinträchtigung vorliegt, können die Anzeichen im Verhalten unterschiedlich sein. Das DGUV Informationsblatt gliedert hier in drei übergeordnete Kategorien: 

Veränderungen in der Arbeitsdisziplin

Veränderungen im Leistungsverhalten

Veränderungen im Sozialverhalten

Wichtig ist zu beachten, dass Merkmale auch in Kombination auftreten können bzw. weitere Aspekte wie andauernde Traurigkeit oder extreme Angespanntheit das Bild oftmals vervollständigen.

Selbstverständlich kann von Führungskräften nicht erwartet werden, dass sie therapeutische Diagnosen stellen, es gehört aber zur Fürsorgepflicht von Vorgesetzten, Änderungen im Verhalten von Betroffenen wahrzunehmen und auf betriebliche Hilfsangebote hinzuweisen.

Tipps und praktische Hilfen

Wenn Ihnen als Führungskraft Verhaltensveränderungen auffallen, sollten Sie diese frühzeitig ansprechen. Wichtig ist dabei eine wertschätzende Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als unabdingbare Voraussetzung, damit sich Beschäftigte öffnen können. In vielen Unternehmen gibt es eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung, in der das Vorgehen geregelt ist und die in vielen Situationen die nötige Transparenz, Verbindlichkeit und Rechtssicherheit regeln kann. Bei Ursachen, die betrieblichen Ursprungs sind, wie schlechte Arbeitsbedingungen oder mangelhafte Arbeitsorganisation, ist die Führungskraft für die Beseitigung derartiger Defizite verantwortlich. Gleichzeitig weist sie aber auf die Verantwortung jeder einzelnen Person hin, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten.

Vorbereitung und Durchführung von Gesprächen mit betroffenen Mitarbeitenden

Da es sich bei den Gesprächsinhalten um sensible Themen handelt, die mit Unsicherheiten und Ängsten behaftet sind, sollte sich die Führungskraft schon im Vorfeld überlegen, wie mit Einwänden und heftigen emotionalen Reaktionen umzugehen ist. Ganz wichtig ist, dass keine Interpretation und Bewertung des Verhaltens vorgenommen wird.

Organisation der Gesprächsvorbereitung

Gesprächsdurchführung – Mithilfe von Leitfragen

Als Führungskraft können Sie durch diverse Maßnahmen dafür sorgen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund bleiben und gerne zur Arbeit gehen. Setzen Sie sich aktiv für gesunderhaltende Arbeitsbedingungen ein.

Dies sind zum Beispiel:

Gutes Führungsverhalten in der Praxis:

Sollten sich auch nach mehreren Gesprächen keine Verbesserung der Situation einstellen, kann das Unternehmen eine externe Mitarbeiterberatung (EAP – Employee Assistance Program) in Anspruch nehmen. Sie bietet Hilfe für Beschäftigte bei der Lösung ihrer beruflichen und privaten Probleme. Auch Fachärztinnen und Fachärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Fachkliniken, Beratungsstellen, Telefonseelsorge und Selbsthilfegruppen bieten externe Unterstützung für Betroffene an. Inner- und außerbetriebliche Angebote sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie Teil eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements sind.

 Die DGUV Information 206-030 ist eine praktische Hilfestellung für den Alltag von Führungskräften und kann unter den Publikationen der DGUV als PDF heruntergeladen bzw. ab November als gedruckte Version bestellt werden.

 

Quelle: ls | publikationen.dguv.de

 

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