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Unfallversicherungsschutz und Wegeunfälle im Homeoffice – wann zahlt die BG?

Im Moment arbeiten viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice und aus dieser Situation heraus ergeben sich während der Arbeitszeit zurückgelegte Wege, die ansonsten nur im privaten Bereich stattfinden würden. Im Allgemeinen sind die Versicherungsverhältnisse für Wegeunfälle und Arbeitsunfälle klar festgelegt, für das Homeoffice sehen die Regelungen dagegen bislang nicht so eindeutig aus. Im nachfolgenden Beitrag wird erklärt, was als Arbeitsunfall oder Wegeunfall gilt und welche Besonderheiten für das Homeoffice zu beachten sind.

Arbeitsunfälle

Als Arbeitsunfälle gelten allgemein alle Unfälle, die Beschäftigten während der Ausübung ihrer Tätigkeit oder auf einer Dienstreise widerfahren. In erster Linie entscheidend für einen Versicherungsschutz durch die Berufsgenossenschaft ist, dass die Tätigkeit, bei der der Unfall erfolgte, der Beschäftigung oder dem Nutzen des Unternehmens dient und nicht einem privaten Zweck. Außerdem gehören laut der VBG auch diese Unfälle zu den Arbeitsunfällen:

  • Alle mit der Arbeit verbundenen Dienstfahrten
  • Betriebssport
  • Bei Betriebsfahrten und Ausflügen

 

Wegeunfälle

Zu den Wegeunfällen zählen solche Unfälle, die sich auf dem direkten Weg zur Arbeitsstelle oder von der Arbeitsstelle zurück zum Wohnort zutragen. Dabei ist wichtig zu beachten, dass diese Wege mit dem Verlassen des Wohnhauses beginnen und mit dem Erreichen der Arbeitsstätte enden. Ausnahmen, für die trotzdem der Versicherungsschutz durch den Arbeitgeber gilt, sind die folgenden Beispiele:

  • Fahrgemeinschaften,
  • Umleitungen im Straßenverkehr,
  • Unterbringung von Kindern während der Arbeitszeit,
  • Wenn der Arbeitsplatz über einen längeren Weg schneller erreichbar ist.

Kein Versicherungsschutz gilt für folgende Beispiele:

  • Unterbrechungen des Weges (bspw. Einkaufen)
  • Umwege aus privaten Gründen
  • Sonstige Abwege, die nicht in Richtung Wohnung oder Arbeitsstelle erfolgen

 

Homeoffice

Für das Homeoffice wurde beschlossen, dass all diejenigen Tätigkeiten versichert sind, die mit der Handlungstendenz ausgeübt werden, dem Unternehmen zu dienen bzw. betriebliche Aufgaben zu erfüllen. Entscheidend ist hierbei die objektivierte Handlungstendenz, gemäß welcher bestimmt wird, ob die versicherte Person eine dem Unternehmen dienende Tätigkeit ausüben wollte und diese Handlungstendenz durch objektive Umstände des Einzelfalls bestätigt wird. Folgendes Beispiel aus einer Pressemitteilung der DGUV vom 19.03.2020 hilft, diesen Sachverhalt zu erläutern:

„Fällt eine Versicherte die Treppe hinunter und verletzt sich dabei, weil sie im Erdgeschoss die unterbrochene Internetverbindung überprüfen will, die sie für die dienstliche Kommunikation benötigt, wäre dieser Unfall versichert. Fällt sie hingegen die Treppe hinunter, weil sie eine private Paketsendung entgegennehmen will, wäre dies nicht versichert.“ 

Nicht versichert sind demnach Wege, die eigenwirtschaftlichen Tätigkeiten dienen, beispielsweise Gänge in die Küche zum Essen oder Trinken sowie der Toilettengang. Gemäß dem BSG werden diese in den persönlichen Lebensbereich der Beschäftigten fallende Risiken nicht vom Arbeitgeber verantwortet (vgl. BSG vom 05.07.2016 – B 2 U 5/15 R – ).

 

Wege aus dem Homeoffice zum Kindergarten und zurück

Gemäß dem BSG sind nach aktueller Rechtslage auch keine Wege aus dem Homeoffice und zurück versichert, wenn sie zum Zweck der Unterbringung der Kinder während der Tätigkeit im Homeoffice dienen, also zum Bespiel wenn sie in den Kindergarten gebracht werden (BSG vom 30.01.2020 – B 2 U 19/18 R).

Das gleiche gilt für Wege aus dem Homeoffice und zurück, die der Versorgung mit Nahrungsmitteln dienen, wozu z. B. auch das Essen gehen im Restaurant zählt.

 

Quelle: ls | www.dguv.de | www.vbg.de

 

 

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