06.12.2011 Sitzen macht krank

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Ergebnisse des neuen Berichts der OSHA veröffentlicht | 06.09.2021

Dass ausreichend Bewegung zur langfristigen Gesunderhaltung unbedingt notwendig ist, sollte in unserer heutigen Zeit allbekannt sein. Bleiben Beschäftigte in ihrem Arbeitsalltag zu lange in derselben statischen Körperhaltung, kann dies zu Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) und anderen Gesundheitsproblemen führen. Besonders gefährdet gelten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an Büroarbeitsplätzen.

Um diesem Thema zu begegnen, hat die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) zwei Berichte zum Thema „Langes Sitzen und Stehen bei der Arbeit“ herausgegeben. Diese Berichte beschäftigen sich mit den Gesundheitsrisiken in Verbindung mit sitzenden bzw. stehenden Tätigkeiten. Zu den klassischen Krankheitsbildern, die durch wenig Bewegung mit gleichzeitig langen sitzenden Arbeitsphasen verstärkt werden können, gehören Nacken- und Schulterbeschwerden, Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Berichte untersuchen, welche Personen besonders anfällig für Krankheiten sind, welche Empfehlungen es für sitzende und stehende Tätigkeiten gibt und wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber Risiken vermeiden können und dabei gleichzeitig die körperliche Aktivität aller Beschäftigten steigern können. Im Folgenden sollen die Ergebnisse des Berichts für sitzende Tätigkeiten kurz zusammengefasst werden.

 

Was zählt als langes Sitzen?

Per Definition ist langes Sitzen immer dann der Fall „wenn die sitzende Haltung zwei Stunden oder länger ununterbrochen eingenommen wird“. Die meisten abhängig beschäftigten erwachsenen Personen sitzen mind. 7,5 Stunden täglich. Folgende drei Merkmale gehen typischerweise mit langem Sitzen einher:

  • Geringer Energieverbrauch
  • Sitzende Körperhaltung
  • Statische Belastung (körperliche Anstrengung zur Aufrechterhaltung einer unveränderten Körperhaltung)

 

Gefährdete Personengruppen

Je nachdem, welcher Beruf ausgeübt wird, gehen verschiedene Tätigkeiten besonders häufig mit längeren Sitzeinheiten einher:

  • Büroangestellte an PC-Arbeitsplätzen (wenig Bewegung der Beinmuskulatur)
  • Fahrzeugführerinnen und -führer (höhere Belastung des unteren Rückens durch Vibration)
  • Arbeiten am Fließband (repetitive Bewegungen)
  • Serviceschalter
  • Callcenter

 

Besonders Tätigkeiten, die bedingt durch die Corona-Pandemie nun verstärkt im Homeoffice durchgeführt werden, erfolgen durchschnittlich längere Zeit im Sitzen, da die Zeitspannen, wo ohne Pause gearbeitet wird, oftmals länger sind.

Frauen geben häufiger an, fast den ganzen Arbeitstag über zu sitzen, da sie öfter in sitzenden und niedriger gestellten Tätigkeiten wie z. B. Büroarbeit und Mikromontage zu finden sind. Mit diesen hierarchisch untergeordneten Tätigkeiten geht häufig auch einher, dass nicht selbst bestimmt werden kann, wann Pausen stattfinden und Beschäftigte aufstehen können.

Durch die zunehmend alternde Arbeitnehmerschaft wird es außerdem immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, die unter chronischen Muskel- und Skeletterkrankungen leiden. Diese können durch langes Sitzen verschlimmert werden.

 

Empfehlungen zur Prävention von MSE durch langes Sitzen

Grundsätzlich wird empfohlen, die Körperhaltung so oft wie möglich zu verändern und im gleichen Zug einen dynamischeren aktiveren Arbeitsstil zu verfolgen. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch allein reicht dabei nicht aus, da hierdurch zwar zwischen zwei Körperhaltungen gewechselt wird, beide Positionen jedoch statisch sind. Folgende konkrete Empfehlungen gibt der OSHA-Bericht:

  • Verbringen Sie max. 50 % des Arbeitsalltags im Sitzen
  • Versuchen Sie, alle 20 bis 30 Minuten aufzustehen
  • Stehen Sie nach zwei Stunden immer für mind. 10 Minuten auf
  • Sitzen Sie täglich nicht länger als fünf Stunden
  • Wechseln Sie häufig die Position zwischen Sitzen, Gehen und Stehen.

 

Betriebliches Präventionsmanagement

Besonders in Arbeitsstätten, die hauptsächlich aus Büroarbeitsplätzen bestehen, ist es sinnvoll, Maßnahmen im Rahmen einer Strategie auszuarbeiten, die einen systemischen Ansatz verfolgen und aus deren eine Risikobewertung hervorgeht. Die Präventionsmaßnahmen sollen dabei einer festgelegten Hierarchie folgen. Für die Präventionsstrategie empfiehlt die OSHA den Schwerpunkt auf eine gute Ergonomie am Arbeitsplatz und eine gute Arbeitnehmerbeteiligung zu sorgen, die spezifische Maßnahmen zur Begrenzung von langem Sitzen und zur Förderung von körperlicher Aktivität am Arbeitsplatz beinhaltet. Folgende Aspekte sollten auf jeden Fall Teil der Präventionsstrategie sein:

  • Gute und verstellbare ergonomische Arbeitsmittel, die auch einen Haltungswechsel und dynamisches Sitzen ermöglichen.
  • Ausgleich zwischen zu erledigenden Aufgaben und mehr Möglichkeiten für aktive Arbeit, Aufgabenrotation und individuelle Steuerungsmöglichkeiten
  • Aktive Einbeziehung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
  • Förderung von gesundem Verhalten durch Unterweisungen
  • Organisatorische Strategien und Praktiken, damit die Anwendung in der Praxis erfolgreich sein kann.

 

Es sollte auf jeden Fall der gesamte Umfang an Risikofaktoren miteinbezogen werden. Für konkrete Arbeitsplätze enthält der Bericht weitere Empfehlungen und Tipps wie lange Sitzeinheiten vermieden und aktives, dynamisches Sitzen gefördert werden kann.

 

Quellen: ls | https://osha.europa.eu

 

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