Individuelle Auswahl persönlicher Schutzausrüstung – Fußschutz ist keine Massenware

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Individuelle Auswahl persönlicher Schutzausrüstung – Fußschutz ist keine Massenware | 25.09.2017

Vor der Auswahl und der Benutzung des Fußschutzes hat der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Ergibt diese, dass bei der Arbeit eine Gefährdung für die Füße besteht, muss seitens des Arbeitgebers ein entsprechender Fußschutz zur Verfügung gestellt und vom Arbeitnehmer auch getragen werden. Dabei sollte keinesfalls der Preis eine ausschlaggebende Rolle spielen.

Die Gefährdungsbeurteilung sollte dabei

  • Art und Umfang der Gefährdungen sowie
  • Dauer der Gefährdung und
  • persönliche Voraussetzungen des Beschäftigten beinhalten.

Eine Gefährdung liegt immer dann vor, wenn Verletzungen durch Ausrutschen möglich sind oder wenn mit Fußverletzungen zu rechnen ist. Dies kann insbesondere passieren durch

  • Stoßen
  • Einklemmen
  • umfallende, herabfallende oder rollende Gegenstände
  • unebene nicht trittsichere Bodenbeläge
  • Hineintreten in spitze Gegenstände
  • Hitze oder Kälte
  • ausgelaufene Chemikalien

Kennzeichnen Sie deshalb alle Bereiche, in denen Fußschutz benutzt werden muss.

Ohne Sicherheitsschuhe erhöhen sich Risiko und Schwere folgender Verletzungsarten:

  • Quetschungen
  • Bänderdehnungen und Knochenbrüche
  • Belastung des Muskel- und Skelettsystems
  • Zusätzlich belastet ungeeignetes Schuhwerk die Wirbelsäule und insbesondere die Gelenke

Es werden für den gewerblichen Einsatz drei verschiedene Schuharten unterschieden:

1. Berufsschuhe
Diese weisen die Kurzbezeichnung „O“ auf. Sie verfügen zwar über ein oder mehrere schützende Bestandteile, jedoch über keine Zehenschutzkappe.

2. Schutzschuhe
Diese weisen die Kurzbezeichnung „P“ auf. Sie verfügen über eine Zehenschutzkappe für mittlere Belastungen, spielen in Deutschland aber keine Rolle.

3. Sicherheitsschuhe
Diese haben die Kurzbezeichnung „S“ und sind mit einer Zehenschutzkappe für hohe Belastungen ausgestattet.

Für Sicherheitsschuhe und Berufsschuhe wurden die meistbenutzten Kombinationen der Grund- und sicherheitsrelevanten Zusatzanforderungen zusammengefasst und Kategorien für deren Kennzeichnung vergeben. Die Kurzzeichen bestehen aus einer Kombination von Buchstaben bzw. von Buchstabe und Ziffer. Anhand der Kennzeichnung können so die geeigneten Schuhe ausgewählt werden.

Aufgrund der Herstellungsart wird der Fußschutz in zwei Klassifizierungsarten aufgeteilt:

  • Klassifizierungsart I: Schuhe aus Leder oder anderen Materialien, hergestellt nach herkömmlichen Schuhfertigungsmethoden (z. B. Lederschuhe)
  • Klassifizierungsart II: Schuhe vollständig geformt oder vulkanisiert (Gummistiefel, Polymerstiefel, z. B. aus Polyurethan – PUR – für den Nassbereich)

Die Rutschhemmung ist eine Grundanforderung, die an Berufsschuhe und Sicherheitsschuhe gestellt wird. Eine der drei Anforderungen an die Rutsch-hemmung – SRA, SRB oder SRC – muss erfüllt sein.

  • Rutschhemmung auf Boden aus Keramikfliesen mit NaLS – Kennzeichnungssymbol „SRA“
  • Rutschhemmung auf Stahlboden mit Glycerin – Kennzeichnungssymbol „SRB“
  • Rutschhemmung auf Boden aus Keramikfliesen mit NaLS und auf Stahlboden mit Glycerin – Kennzeichnungssymbol „SRC“

Darüber hinaus gibt es aber zudem weitere Sonderschuharten, wie z. B. Schnittschutzstiefel, Strahler-oder Schweißerstiefel.

Darüber hinaus gilt es, eine orthopädische Versorgung mit Fußschutz zu ermöglichen. Beim orthopädischen Fußschutz ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob es sich um die handwerkliche Herstellung eines neuen Schuhes (Einzelanfertigung-Maßschuhe) oder um die individuelle orthopädische Zurichtung (Änderung) eines industriell gefertigten Schuhes handelt.

Weil derartige Schuhe individuell anzupassen sind, entstehen gegenüber den üblichen Sicherheits-schuhen erhöhte Kosten, ferner dauert die Bereitstellung länger. Die Kosten für orthopädischen Fuß-schutz müssen vom Unternehmen nicht allein übernommen werden. Leistungsrechtlich ist der orthopädische Fußschutz dem Bereich der beruflichen Rehabilitation zugeordnet. Damit werden die Kosten von den Trägern der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben übernommen. Das Unternehmen muss grundsätzlich nur den Betrag aufwenden, den es für einen Fußschutz ohne orthopädische Veränderung aufgewendet hätte. Vor einer Auftragsvergabe ist eine Zusage des Kostenträgers einzuholen.

 

Autor: Stefan Johannsen, Diplom-Biologe

 

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